Kategorie: Rocks’n’Roads (2013) (Seite 1 von 3)

Tag 22 – Der mit Shopping, Pool und Fontänen

Tradition muss sein – daher gab es das letzte Frühstück bei Dennys, Omelette mit Hashbrowns. Dazu leckerer Kaffee (also für amerikanische Filterkaffeeverhältnisse) und O-Saft.
Derart gestärkt konnten wir uns unserem nächsten Programmpunkt widmen: Einkaufen. Erstmal vor allem (ok, fast ausschließlich) für mich zu Mihael’s, Back- und Bastelkram kaufen. Aber auch etwas, das jemad anders noch jemand anderem zu Weihnachten schenken kann! Sehr erfolgreich also… Danach zu Walmart, die fehlenden Lebensmittel-Mitbringsel holen, vor allem alles mit Schokolade, das 34 Grad eventuell nicht so lustig gefunden hätte.
Durch einen Zipfel Arizona und dann schließlich wieder Nevada ging’s zurück in Richtung Las Vegas. Noch einmal durch die Berge, auf dem Hinweg das „jetzt sind wir wirklich hier“-Symbol, jetzt eher das „och nö, jetzt isses wirklich bald vorbei“-Zeichen… und dann sieht man schon bald Las Vegas im Dunst am Horizont auftauchen. Ach ja, und das „Keine Anhalter mitnehmen“-Schild, sowas habe ich in Deutschland auch noch nie gesehen, liegt das daran, dass US-Sträflinge Straßen bauen müssen? Oder ist das nur im Fernsehen so? Habe ich mich letztes Mal schon gefragt…

Nach zwei Stunden auf der Interstate und einem Zeitzonenwechsel (Stunde gewonnen, juhu) waren wir wieder da, wo alles angefangen hat, in Las Vegas.

Direkt eine Outlet-Mall angesteuert, auch Tradition, hier werden Schuhe und Gürtel gekauft. Ging aber recht schnell, wir wussten was wir haben wollten, und die weitere Tagesplanung lockte.  Wir haben nämlich zum Abschluss noch einen neuen Temperaturrekord:
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Da zog es uns zur wirklich schönen Pool-Landschaft des Flamingo-Hotels. Daher haben wir auch nur schnell alle Koffer, Taschen und Tüten ins Zimmer geworfen. Wir denken später drüber nach, wie wir das alles verstauen… Fotos vom Pool haben wir nicht, wir hatten nur Handtuch und Lesestoff mit unten, alle Wertsachen sind oben im Tresor geblieben. Kann man aber hier sehen: http://www.flamingolasvegas.com/things-to-do/go-pool.html#.UkPqND-5e7w
Am Pool mussten wir eine Weile suchen, bis wir zwei Liegen im Schatten gefunden hatten. Dann eine Runde ins Wasser, schwimmen ist hier allerdings eher nicht vorgesehen – maximale Wassertiefe 1m, überall stehen Leute mit Bier oder Cocktails im Wasser. Bei 43 Grad, ich sag’s gerne nochmal. Kann man machen, muss ich aber nicht haben. Wir haben uns den DJ lieber aus einer schattigen Ecke angesehen und nur zwischendurch mal im Wasser abgekühlt. Anschließend haben wir zwei Stunden oder so dort gelegen, gelesen, gedöst, Leute beobachtet und entspannt. Erstaunlich, aber so sind 43 Grad tatsächlich einigermaßen angenehm!
So angenehm, dass wir danach gemütlich über den Strip gebummelt sind und ein letztes Mal den Sommer genossen haben. Inklusive dem traditionellen „letzten Abendessen“, natürlich beim Outback, natürlich mit Baby Back Ribs, natürlich (in Las Vegas) mit Blick auf den Vulkan des Treasure Island, der zum Ende des Essens pünktlich seine Vorstellung ablieferte.
Zurück zum Auto, zum Glück ist das Parkhaus beim Flamingo nicht ganz so weit weg wie bei manchen anderen Hotels, und dann haben wir es endlich mal geschafft, nach Downtown Las Vegas zu kommen. Ich war mir zwar einigermaßen sicher, dass es nicht schöner sein kann als am Strip, aber man weiß ja nie… also Parkplatz suchen am Golden Nugget, den wirklich schönen Pool dort im Vorbeilaufen sehen (die haben die Rutsche um ein riesiges Aquarium mit ziemlich großen Fischen gebaut… nett), dann zur Freemont Street. Durch Zufall kamen wir genau dort an, als sich die Touristenmassen zur nächsten Vorstellung sammelten. Punkt 9 ging es los, auf der größten LED-Leinwand, die komplette Straße ist damit überdacht. Bei uns lief Bon Jovi – und zwar über die komplette Breite, keine Wiederholungen, sondern überall war ein anderes „Bild“.

Schon beeindruckend, aber – der Strip ist mir trotzdem lieber. Also sind wir nach der Vorstellung noch kurz die Straße mit den üblichen Casino-Bar-Animation-Straßenkünstler-Ecken rauf und runtergeschlendert, dann aber wieder zurück gefahren.
Nachdem wir noch schnell in den Forum Shoppes (der Mall des Caesars Palace Hotels) den Rest der Einkaufsliste der Verwandtschaft abgearbeitet hatten, kam der wirklich letzte Programmpunkt des Tages/Urlaubs: Cocktail holen, Bellagio-Fontänen gucken. Eine Stunde lang, vier Durchgänge. Sooooo schön… und ein perfekter Abschluss.

Tag 21 – Der mit bunten Steinen zum Abschluss

Zur Abwechslung haben wir heute mal wieder Supermarktfrühstück besorgt, sprich Milch für die Cornflakes und Joghurt für mich (in diesem Supermarkt gabs keine glutenfreien Brötchen) und einen Muffin für Frank. Außerdem gleich schonmal Käse und Roastbeef für die Lunchsandwiches bzw -tortillas. Damit sind wir dann 12 Meilen raus aus St. George auf der Interstate gefahren, weitere 12 Meilen oder so auf einer unbefestigten Straße. Ziel: Yant Flats, eine abgelegene Ecke mit bunten, gestreiften und verquirlten Felsen. Zwischendurch dachte ich schon, der heutige Tagestitel würde „Der mit ‚och nö, nicht schon wieder'“ lauten – Matschloch und so… aber es ging dann doch ganz gut.

Nachdem wir das gemeistert hatten, gab es Frühstück am Trailhead, danach sind wir erstmal 2,4km auf einer ehemaligen Dirtroad gelaufen, die inzwischen aber mit Felsbrocken und bewusst angebrachten Straßenschäden für Vehikel aller Art gesperrt ist.
Nach 30 Minuten sind wir an der Kante des Plateaus angekommen, haben kurz eine Trinkpause gemacht und sind dann weitergestiefelt. Wir hatten GPS-Koordinaten von der Stelle, an der wir eigentlich nach unten absteigen können sollten. Deutlich vorher tanden aber Steinmännchen, also sind wir denen gefolgt – man konnte 70m unter uns (laut GPS, Frank hat extra die Höhe nachgeguckt) schöne Felsen sehen. Also runter, rumlaufen, Fotos machen.

Allerdings ließ vor allem Frank die Sache mit den falschen Koordinaten keine Ruhe. Klar, könnte sein, dass da ein Tippfehler drin war (also in unserer Quelle, das GPS-Gerät haben wir natürlich geprüft). Oder die Amis haben alle Satelliten in Utah/Nevada wegen der Nahe zu Area 51 um 500m „verschoben“. Was auch immer… ich war jedenfalls nach dem Aufstieg zu k.o. um noch freiwillig über den nächsten Hügel zu krabbeln und nachzusehen. Also sitze ich nun gemütlich im Schatten eines Felsen, um mich herum bunte Steine, zu meinen Füßen ein kleiner Tümpel, es muss wohl in den letzten Tagen auch hier geregnet haben. Außer ein paar Insekten, gelegentlich einem Vogel und ein bißchen Wind hört man hier überhaupt nichts… bin noch ein bisschen rund um den Felsen gewandert, habe das Echo ausprobiert und Tiere im Teich beobachtet. Und die Einsamkeit genossen.
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(kleiner Zeitsprung, den Rest des Textes habe ich wie immer abends im Motel geschrieben…)
Frank kam nach 1,5h zurück und musste sich erstmal etwas abkühlen. Er hat die richtige Stelle gefunden, also das Tal, das wir eigenttlich sehen wollten. Die Fotos sehen phantastisch aus, aber ich hätte da heute echt nicht geschafft. War also besser so. Hier also Franks Fotos, ich kann nur erzählen, was er erzählt hat: Er musste erstmal noch 500m weiter querfeldein an der Abbruchkante entlanglaufen, dann ein ganzes Stück bergab und dort immer wieder rauf und runter, weil es lauter einzelne kleine Täler waren, die immer wieder anders aussahen. Am Ende hat er nur die Hälfte angeschaut, weil er mich nicht zu lange warten lassen wollte, und ist dann am Ostende des Tals durch viel Sand wieder nach oben geklettert.

Dann mussten wir natürlich noch zurück zum Auto, also nochmal 2,4km bei inzwischen 31 Grad. Was waren wir froh, als wir da waren und erstmal die dicken Wanderschuhe ausziehen konnten, noch mehr trinken und vor allem was essen… im Auto, bei laufender Klimaanlage, das musste sein.
Nachdem wir wieder runtergekühlt waren, sind wir erstmal ins Hotel gefahren (wieder ohne Zwischenfall am Schlammloch) und haben noch mehr Getränke eingeladen – plus neues Wasser aus dem Supermarkt und eine eiskalte Cola. Sooo angenehm… ach so, war übrigens eine Pepsi, die schmeckt nämlich hier wirklich deutlich besser als die Cola light. Zuhause merke ich ja keinen Unterschied, da fragt ja auch eh keiner, aber hier ist die Pepsi light echt besser!
Nächster Punkt auf der heutigen Tagesordnung war der Snow Canyon State Park. Der liegt direkt am Stadtrand von St. George, also nur ein paar MInuten Fahrt vom Hotel aus. Es ist wirklich toll dort – eine Mischung aus roten, weißen, rot-weißen, gelb-weißen Felsen und dazu noch immer wieder schwarze Lava. Hier ist vor 27000 Jahren mal ein Vulkan ausgebrochen und hat auf und zwischen den Bergen seine Spuren hinterlassen.

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und der 36 Grad hier unten haben wir nur zwei kleine Trails angesehen – das Whiterocks Amphitheater (1 Meile) und Jenny’s Canyon (0.5 Meilen). Vor allem das Amphitheater hat uns richtig gut gefallen, man kann sehr einfach auf den Felsen hochklettern und die Pools waren nach dem letzten Regen auch noch gut gefüllt – inklusive zahlreicher fortgeschrittener Kaulquappen und „Kaulquappen-Shrimps“.

Jenny’s Canyon ist nicht sooo spektakulär, ein kurzer hoher Slotcanyon. Aber alleine die roten Felsen rundherum sind faszinierend, wir waren kurz vor Sonnenuntergang hier, da glüht alles rundherum fast schon unwirklich, selbst der Sand, auf dem man läuft.

Den Rest des Abends kann ich kurz zusammenfassen, unsere übliche Routine halt: Essen gehen (Red Lobster, damit haben wir jetzt alle unsere üblichen Ketten durch), Fotos auf den Laptop laden, Blogbeitrag schreiben. Frank schläft schon, dem ging es nicht so gut. War wohl doch ein bisschen anstrengend heute… naja, morgen wird ruhig: Walmart & Michael’s für die letzten Mitbringsel-Einkäufe, dann 2h nach Las Vegas fahren (und dabei eine Stunde gewinnen, der letzte Zeitzonenwechsel vor dem Rückflug), Pool-Landschaft des Flamingo-Hotels ausnutzen, danach über den Strip bummeln und vielleicht endlich mal nach Downtown kommen? Mal sehen 🙂

Tag 20 – Der mit einer Oase

Haben gut geschlafen, heute morgen dann Frühstück um 8 Uhr zusammen mit den beiden Deutsch-Schweizern, die ebenfalls hier übernachtet haben. Während unsere Eier und Pancakes und der Bacon zubereitet wurden, haben wir schonmal ausgetauscht, wer wo was gesehen hat. Irgendwie sind alle Leute, die man hier in der Gegend trifft, sehr nett, muss wohl am Klima liegen 🙂
So ein schönes Bed&Breakfast, das Pine Tree Inn & Bakery… sehr liebevoll eingerichtet, sauber, und endlich waren wir mal in einem „richtigen“ amerikanischen Haus. Ich wollte die ganze Zeit schon wissen, ob die wirklich so aussehen wie im Fernsehen. Ja, tun sie. Haustür führt direkt ins Wohnzimmer, es gibt aber auch einen Hintereingang (den sieht man unten auf dem Foto, das ist die Rückseite). Vom Wohnzimmer geht eine Treppe nach oben, natürlich mit Teppich belegt, um eine Ecke, mit weißem Holzgeländer. Im „Keller“ sind weitere Wohnräume, da haben wir im Garden Room gewohnt.
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Nachdem wir ausgiebig Kaffee getrunken und gequatscht hatten, sind wir aufgebrochen zum Cathedral Gorge Statepark. Als wir abgefahren sind, wussten die anderen beiden noch nicht ganz genau, was sie machen wollen – tauchten dann aber 2 Minuten nach uns am Visitor Center auf. Also haben wir uns erstmal erklären lassen, was es hier und in der näheren Umgebung so zu sehen gibt. Das meiste wusste ich schon, aber nun war auch klar, dass unser Ticket für fünf Stateparks im Umkreis gilt. Na gut, wir können auch mehr als einen am Tag! Dann haben wir unbeabsichtigt noch die wirklich sehr alte Dame dort verwirrt, weil wir separat (pro Auto) bezahlen wollten. Ist aber gerade bei Unbekannten sinnvoll, weil man ja vorher nicht weiß, wer wie lange wohin wandern möchte oder auch nicht…
Fünf Minuten oder so sind’s bis zum Ende der Straße im Park, ist ein eher kleineres Exemplar. Dort haben wir geparkt und uns aufgemacht auf dem 1 Meile langen Trail zum Miller Point. Wobei ich die eine Meile auch übertrieben finde – oder vielleicht hin und zurück zusammen? Egal, es war schön warm (so um die 28 Grad), aber nicht schwül, der Weg ist einigermaßen eben mit einigen Stufen zum Aussichtspunkt, also gut zu laufen.

Die Felsformationen sind wieder ganz anders als in anderen Parks, die wir bisher kennen. Zu Beginn des Trails sieht man, wo der Name „Cathedral Gorge“ herkommt, später dann eher weniger – und insgesamt fanden wir alle die Aussicht von unten besser als von oben. Als wir auf dem Rückweg an der Gabelung des Miller Point Trails mit dem angeblich 3 oder 4 Meilen langen Loop Trail ankamen, haben sich unsere Wege getrennt (gut, dass wir separat bezahlt hatten :-)). Wir wollten noch weiter laufen, also den Loop Trail, die anderen beiden hatten genug Steine gesehen und wollten zurück bzw. zum nächsten State Park.
Wir haben das obere Ende des Loops auch abgekürzt, aber trotzdem noch ein paar schöne Steine gesehen. Wobei – ob das nun wirklich Stein zu nennen ist, wissen wir auch nicht genau. Es ist eher eine Art festgebackener Lehm, der durch Erosion in diese tollen Formen gebracht wird.

Zurück am Auto haben wir uns die kathedralenähnlichen Formationen dort nochmal genauer angesehen, und anschließend die Caynon Caves und die Moon Caves auf dem Rückweg zum Parkeingang. Noch viel fasziniernender als aus der Ferne. Es gibt zahlreiche Gänge, die erstaunlich weit zwischen die 10m hohen Wände führen. Dort ist es schön kühl, erstens kommt keine Sonne dorthin und zweitens sind die Lehmwände noch leicht feucht. Sehr angenehm…

Es war nun Zeit zum Mittagessen, wir brauchten also einen schönen und möglichst schattigen Platz. Kurzer Blick in die Karte, zwei Parks die in unserem Ticket enthalten sind liegen auf dem Weg zu unserem nächsten Übernachtungsort. Die Beschreibung klang beim Kershaw-Ryan-Statepark netter, außerdem war es kürzer, also sind wir dorthin gefahren.
Der Park ist noch kleiner als der Cathedral Gorge, jedenfalls der für Besucher erschlossene Teil, soweit wir das sehen konnten. Aber sehr idyllisch – in einem kleinen Tal zwischen den Canyonwänden ist alles grün – eher parkartig angelegt, also nicht natürlich gewachsen, aber sehr hübsch. Mal ganz was anderes, blühende Blumen in größerer Menge sieht man hier eher selten. Goldfisch-(Koi?-)Teiche auch. Hier aber beides vorhanden:

Wir waren die meisten Zeit ganz alleine und haben erstmal unser Picknick an einem der Tische verzehrt (für die Grill-Arbeitsflächen-Kombi hatten wir nichts dabei, es macht bestimmt Spaß, hier mit Freunden abends zu grillen und zu essen…).
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Danach haben wir den Overlook Trail erkundet, dauert vielleicht 20 Minuten oder so.
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Danach haben wir, wie in der Broschüre vorgeschlagen, unsere Füße in dem ungefähr 40cm tiefen Wading Pool gekühlt – in Deutschland hieße das vermutlich Kneipp-Becken, und niemand würde dranschreiben, dass es keinen Bademeister gibt 🙂
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Sicherheitshalber haben wir aber die meiste Zeit am Rand gesessen und nur die Füße ins Wasser gestellt. Gelesen, geredet, Vanilla Cream Soda getrunken (schmeckt wie eine Mischung aus HubbaBubba und Vanilleeis – lecker bis zum dritten Schluck, danach nur noch süß), die Ruhe genossen, das schöne Wetter, einfach entspannt.
Danach sind wir noch zwei Stunden weitergefahren bis nach St. George (sind also nun wieder in Utah). Wir haben mal kein Kettenmotel, sondern das Dixie Palms Motel gebucht. So ein klassisches mit dem Auto vor der Tür – sehr sauber, sehr zentral neben dem „historischen“ Zentrum. Muss ich ja immer ein bisschen schmunzeln, historisch ist für uns ja eher was anderes 😉
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Und der Rest war Routine: Koffer abstellen, Kabelsalat auspacken und Geräte anschließen, Fotos auf den Laptop laden, die drei benötigten Dinge aus dem Koffer nehmen, Abendessen gehen, Blogbeitrag schreiben, fernsehen. Ich habe erst draußen vor der Tür auf dem grauen Stuhl gesessen, aber dann kam ein merkwürdiges Tier vorbei, das mochte ich nicht. So eine Mischung aus Spinne und Skorpion, optisch. Aber mindestens (!) 10 Beine. Da bin ich dann doch lieber reingegangen, obwohl die Luft draußen so schön war. Mal sehen, was das Wetter morgen sagt, ich vermute mal heiß, blauer Himmel, Sonne.

Tag 19 – Der mit dem unbekannten Nationalpark

[Heute nochmal mehrere Beiträge, ihr solltet also dran denken, unten auf „Tag 18“ und dann auf „Tag 17“ zu klicken. Aber jetzt seid ihr wieder auf dem Laufenden, das war der letzte „nachgeholte“ Tag und wir sind jetzt, wenn ihr dies lest, wirklich in Panaca]
Der Tag begann, wo der gestrige aufgehört hat – im Kasino. Nein, wir sind nicht spielsüchtig, aber die haben nun mal die besten Angebote für’s (in diesem Fall) Frühstück. Alternative wäre der Supermarkt gewesen, aber da bekommt man für 2,99 kein komplettes Frühstück. Also jedenfalls nicht so eins:
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Anschließend hatten wir zwei alternative Routen zur Auswahl:
a) die Strecke von gestern zurück und über Salt Lake City komplett über die Interstate bis nach St. George. Nachteil: 100 Meilen länger und wir müssten dann morgen eigentlich nochmal 100 Meilen fahren, um dahin zu kommen, wo wir hinwollen.
b) über den Highway (sprich Landstraße) nach Panaca. Vorteil: gleiche Zeit, aber ein zusätzlicher Nationalpark mit drin und wir landen da, wo wir morgen weitermachen wollen.
Einfache Entscheidung also – wir haben uns für Option b entschieden. Die erste halbe Stunde haben wir noch nicht gemerkt, dass wir im Wüstenstaat Nevada sind, es hat geschüttet. Dann verzogen sich die Wolken langsam über die Berge und wir sind entspannt 2,5 weitere Stunden durch die Pampa gefahren. Hier ist wirklich NICHTS los, kaum mal ein Auto, man fährt ewig geradeaus, so wie man sich das eben im Westen der USA vorstellt. Aber ich mag das total gerne, sagte ich schonmal, oder? Und mit einem spannenden Hörbuch ist es gleich nochmal so schön… wichtig nur: vorher tanken. Ich muss ja immer schmunzeln bei so Schildern wie „Next gas 130 miles“ – wo bitte findet man in Deutschland allein schon eine Landstraße, die 209km geradeaus geht und dann auch noch keine Tankstelle, keinen Ort berührt?

Schließlich sind wir im Great Basin Nationalpark angekommen – kennt ihr nicht? kannten wir vorher auch nicht. Er liegt ziemlich abgeschieden im Nichts, hat auch nicht die üblichen Motels und Hotels vor der Tür wie die meisten anderen Nationalparks, die wir kennen. Der Park ist in weiten Teilen nur er-wanderbar, die Straße erschließt lediglich einen kleinen Teil. Schon bei der Anfahrt konnten wir sehen, dass eine dicke dunkle Wolke genau über dem Areal des Nationalparks hing. Später haben wir gelesen, dass das tatsächlich vom höchsten Gipfel sozusagen verursacht wird, er macht sich sein eigenes Klima und zieht Wolken an…
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Jedenfalls haben wir uns bei einem kurzem Stopp im Visitor Center der Lehman Caves erstmal für eine Tour durch selbige angemeldet – die Tropfsteinhöhlen sind nämlich der Hauptanziehungspunkt für alle Besucher, die nicht wandern möchten. Da die Mittagstour schon ausgebucht war, konnten wir erstmal in Ruhe die Straße bis zum Ende abfahren – inklusive Picknick mit Fernblick:
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und Fahrt durch die Wolke. Die Tour führte uns nämlich auf 3000m (der Gipfel ist dann nochmal knapp 1000m höher), da war es zwischenzeitlich mit dem Weitblick nicht sonderlich weit her:

Zum Glück hatte die Wolke in der Mitte ein Loch, so dass wir sehen konnten, wie toll die Bäume (diverse Nadelbäume, dunkelgrün, und Espen in verschiedensten Farben von grün bis rot) aussahen.

Am Ende liegen ein Campingplatz und der Trailhead für einige Wanderwege. Da weder unsere Zeitplanung noch unsere Kondition in dieser Höhe es zuließen, weiter zu wandern, sind wir nur einen 10-Minuten-Rundweg mit einigen Erklärungen zur Landschaft und zu Flora und Fauna gelaufen – aber der war schon sehr schön. Ein bisschen wie in den Alpen bzw. zu deren Füßen sieht’s hier aus, keine unbedingt atemberaubend andersartige Landschaft, aber ein schöner Abstecher auf dem Weg zum morgigen Programmpunkt.

Aber wir hatten ja auch noch die Höhlen – die 90minütige Führung brachte uns in verschiedene „Räume“ mit den üblichen Stalagmiten und Stalagtiten, dezent beleuchtet und zwischendurch auch mal in totaler Finsternis, um zu sehen, wie dunkel dunkel sein kann. Diese Höhlen haben aber auch noch sogenanntes Cave Popcorn, eine bestimmte „Wuchsform“ der Tropfsteine. Habe ich so aus anderen Höhlen nicht in Erinnerung… eine weitere Besonderheit sind flache runde Platten, die wohl sehr selten in Tropfsteinhöhlen entstehen. Man weiß auch noch nicht genau, wann/wie/warum die so wachsen… Schöner Programmpunkt jedenfalls!

Nun mussten wir noch zwei Stunden weiterfahren, die Landschaft war zwar relativ eintönig, wurde aber durch einen über eine halbe Stunde betehenden Regenbogen aufgewertet. So leuchtend habe ich lange keinen mehr gesehen, und wir haben in diesem Urlaub fast jeden Tag einen präsentiert bekommen, ob nun in Moab (immer um 17:45h rum über den LaSal Mountains), in der Nähe von Vernal oder im Yellowstone (da waren es dann aber Regenbögen an Geysiren oder Wasserfällen).
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Und nun sind wir in Panaca, einem sehr netten Dorf im Nichts, es gibt eine Tankstelle und ansonsten 10 Meilen weiter wohl auch drei Restaurants oder so. Aber das Dorf wirkt viel sympathischer als manche andere, durch die wir schon gefahren sind – und vor allem gibt es hier MENSCHEN. Auf der Straße!! Zu Fuß!!! Unser Bed&Breakfast haben wir nach etwas Suchen auch gefunden, die Adresse stand nämlich nicht in der Bestätigungsmail. Aber ich hatte mir das bei Google Maps vorher angesehen und wusste ungefähr, wo es liegen müsste. Sind wir halt ein bisschen kreuz und quer durch den Ort gefahren und haben es relativ schnell gefunden. Kurz einchecken, die Besitzerin (nehme ich mal an) hat uns alles gezeigt und ist dann gefahren. Küche mit Getränken im Kühlschrank, Wohnzimmer mit Zeitschriften, liebevoll eingerichtetes Zimmer, großes Bad. Die Entscheidung, hier zu übernachten und nicht in Pioche im Hotel, war genau richtig. Dort sind wir vorbeigekommen, wirkt ziemlich verlassen und etwas heruntergekommen. Eine alte Westernstadt, aber nicht mehr ganz in Schuss. Ein bisschen Geisterstadt-Feeling… Da ist es hier schon besser. Frühstück gibt’s morgen um 8, für uns und die anderen beiden Gäste, die auch aus Deutschland kommen. Bin gespannt!

Tag 18 – Der mit dem Salz

Das Wetter mag uns zur Zeit nicht so sonderlich, es tröpfelt. Allerdings könnte man es auch anders sehen – die Orte, in denen wir am Anfang des Urlaubs waren, melden momentan Überschwemmungen, der Trail zum Delicate Arch und diverse Straßen im Arches NP sind gesperrt, unbefestigte Straßen sind tabu… Wir wollen uns also mal nicht beschweren.
Und sind stattdessen erstmal in Ruhe im Walmart shoppen gewesen. Das macht einfach mehr Spaß als zuhause, neben dem Notwendigen (Getränke, Mittagessen) haben wir auch schonmal einen Teil unserer Mitnehm-Lebensmittel gekauft. Vor allem meine persönliche Kaffeedroge mit Vanille- und Haselnussgeschmack. Und ein paar Zeitschriften, ich LIEBE amerikanische Zeitschriften. Deko, backen, kochen, selbermachen – die haben einfach mal andere Ideen, bei uns wiederholt sich so vieles 🙂
Danach sind wir nach Salt Lake City Downtown gefahren und haben uns den Temple Square angesehen. SLC ist ja sowas wie Rom für Katholiken, also DAS Zentrum der Kirche, hier halt der Mormonen. Oder LDS. Oder The Church of Jesus Christ The Latter-Day Saints, wie auch immer. Jedenfalls gehört hier so quasi alles zur Kirche, Utah insgesamt ist ja mehrheitlich mormonisch. Wir haben uns den Tempel von außen sowie die beiden Visitor Centers angesehen. In einem davon gab’s ein Modell des Tempels – der ist übrigens nicht gleichzusetzen mit einer Kirche, sondern eher der religiösen Ausbildung gewidmet. Mit verschiedenen Räumen, in denen unterschiedliche Themen des Glaubens vermittelt werden… ein Taufbecken gibt’s auch im Keller, getragen von 12 (?) goldenen Ochsen.

Das Ganze ist sehr gut umgesetzt, mit Monitoren überall, Sofaecken, in denen man sich das in Ruhe ansehen kann… Interessant auf jeden Fall. Zusätzlich gab es im Visitorcenter 1 auch noch Computer mit direktem Zugang zur Ahnenforschungsdatenbank. Grob wusste ich, dass die Mormonen glauben, man könne jeden Vorfahren sozusagen nachträglich „retten“, man muss also möglichst weit den eigenen Stammbaum zurückverfolgen können. Haben wir also mal ein bisschen geforscht, und tatsächlich, hier ist einer meiner gar nicht so fernen Vorfahren – es müsste einer der Halbbrüder meines Urgroßvaters sein, wenn ich mich nicht irre:
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Eigentlich wollten wir uns noch einen Film ansehen über die mormonischen Pioniere und wie sie nach Utah kamen, aber leider waren alle Filmräume besetzt. Sister Davis (hier laufen überall Missionare rum, kennt man ja auch aus Deutschland) war sehr betrübt, konnte uns aber leider auch keine Raum herzaubern. Und so haben wir uns drei Blocks weiter zu The Gateway (Shopping Mall) bewegt, dort bei Applebees lecker gegessen und dann ein bisschen eingekauft. Ich bekomme meist eine Einkaufsliste von Cousin und Cousine, die haben wir zumindest teilweise abgearbeitet. Wir wären auch gerne noch länger dort geblieben und ein bisschen gebummelt, aber das war mal ausnahmsweise eine Draußen-Mall, einer europäischen Innenstadt nachempfunden. Da der Regen immer noch nicht aufgehört hatte, war’s das mit unserem Salt Lake City-Besuch.
Richtung Westen ging’s weiter auf der Interstate, sozusagen eine Autobahn. Viel geradeaus, zunächst am Großen Salzsee vorbei – der sieht aber einfach aus wie ein See, heute sehr ruhig, aber eben bloß glattes Wasser. Dann eine leichte Kurve, und weiter geradeaus. Zumindest das Wetter war zwischenzeitlich ein bisschen besser, Wolken mit blauen Stücken Himmel dazwischen.
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Später fährt man dann durch die Salt Flats, eigentlich eine endlose und total flache Salzfläche, auf der regelmäßig Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt werden. Man kann auch drauf rumlaufen und, soweit wir gehört hatten, an bestimmten Stellen und zu bestimmten Zeiten auch selbst drauf fahren. Allerdings nicht, wenn die Fläche komplett unter Wasser steht. Aber dafür ist das Panorama unglaublich – eine glatte, spiegelnde Wasserfläche, doppelte Wolken, man kann teilweise wirklich nicht sehen, wo der Horizont ist.

Unser Nachtquartier lag in Wendover, sozusagen einer geteilten Stadt – halb in Utah, halb in Nevada. Sieht man nicht nur an der Linie samt Beschriftung quer über die Straße, sondern auch an der Anzahl (oder dem Nichtvorhandensein) der Kasinos. In Utah null, in Nevada eins neben dem anderen. Nicht ganz so groß wie in Las Vegas, auch keine Themenhotels, soweit wir gesehen haben, aber eben viel Neon und Geblinke. Leider habe ich bei der Planung irgendwie total ignoriert, dass man da natürlich auch wohnen kann. Wäre vermutlich besser gewesen als das Motel6, das ist halt sehr einfach, aber es war zumindest sauber.
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Zum Abendessen waren wir im Rainbow Casino im „Primo“ und haben ein Steak special bzw. einen Burger gegessen – lecker, günstig, sie wollen die Leute halt in die Kasinos locken. Hat ja auch geklappt, ganze 3 Dollar haben wir in einem Automaten versenkt. Ich vermute, das haben die sich anders vorgestellt, sonst würde die Rechnung wohl nicht aufgehen 🙂

Tag 17 – Der mit der Fahrt durch vier Staaten

Letzter Tag im Yellowstone – und der erste Tag, an dem das Wetter nicht mitspielt. Grau, Wolken, Regen… aber gut, damit mussten wir ja rechnen. Ist schließlich Herbst hier. Nur unser Programm mussten wir ein bisschen anpassen.
Erstmal haben wir in Ruhe gefrühstückt – und um den tollen Blick in unserem Hotel zu genießen, haben wir uns diesmal etwas in der Snackbar geholt und uns an einen Tisch im ersten Stock gesetzt. Ja, „toller Blick IN unseren Hotel“, nicht „aus“. Denn das Old Faithful Inn ist ein riesiges, fast 110 Jahre altes Blockhaus-Hotel mit einer riesigen Eingangshalle, einem gigantischen Steinkamin, über all bequemen Ledersesseln… da kann man sich gut eine Weile aufhalten.
Nach dem Packen haben wir noch eine Führung durch das Haus mitgemacht und uns ein bisschen Geschichte des Hotels und Geschichten des Tourguides angehört.

Und nach ein paar Einkäufen und einem Cache sind wir um 12:30h dann auch schon (naja) losgekommen… Eigentlich wollten wir heute in Ruhe die letzten Geysir-Felder abfahren und erlaufen. Leider ist das im Regen nicht wirklich spannend, es fehlen einfach die Farben. Im Black Sand Basin und im Biscuit Basin haben wir jeweils im Schnelldurchlauf alle Pools und Geysire angesehen, Fotos haben wir fast keine, denn das lohnte sich oft nicht. Zum Grau oben kam ja noch das Grau unten, das heiße Wasser der Pools und die kühlen Außentemperaturen führen nunmal zu Dampfbildung. Die letzten Geysire habe ich mir schon gar nicht mehr angesehen – entweder lag’s am Wetter, oder ich habe meinen geothermalen Sättigunsgpunkt erreicht? Keine Ahnung… Frank ist aber tapfer auch über den letzen Boardwalk gelaufen, mit dem gleichen Ergebnis wie oben.
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Auf den letzten Meilen im Nationalpark haben wir dann doch noch wie bestellt ein interessantes Tier gesehen. Bestellt hatte ich „einen Bären, einen Elch, einen männlichen Wapiti oder einen Bison, der was interessantes macht“, letzteres ist es dann geworden. Kurz vor dem Parkausgang stand rechts neben der Tür ein Bison am Flussufer, bereit, auf die andere Seite zu waten. So haben wir zum Abschied noch ein paar nette Büffelfotos machen können.

Leider ist es mit den Bären diesmal nichts geworden, aber das ist ja nicht selten. Wir sind schließlich nicht gewandert, sondern vor allem mit dem Auto rumgefahren und auf Boardwalks gelaufen. Allerdings haben wir durchaus auch dort die „hier gab’s in letzter Zeit verstärkt Bärenaktivität“-Schilder gesehen, sehr weit weg sind sie im Park wahrscheinlich nirgendwo..
Noch im Park haben wir das erste Mal heute eine Staatsgrenze überquert – die vonWyoming nach Montana. Nur wenige Meilen später, hinter West Yellowstone, war Montana schon wieder vorbei und wir waren in Idaho. Dort haben wir auch einen größeren Teil des restlichen Tages verbracht, auf der Fahrt Richtung Salt Lake City (in Utah, Staat Nummer vier heute).
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Viel mehr ist heute dann auch nicht passiert, durch die frühere Abfahrt aus Yellowstone sind wir weiter gekommen als geplant, so haben wir dann halt morgen ein bisschen mehr Zeit.
Leckeres Abendessen gab’s auch noch,  da wir ja wieder in der Zivilisation sind, gibt es ein Outback. Heute mal keine Baby Back Ribs, sondern „Steak & unlimited shrimps“ –  für mich leider nur eine der drei Sorten, weil nur die glutenfrei war, aber trotzdem super.

Tag 16 – Der mit viel WOW! und noch mehr Geysiren

[Achtung – nicht vergessen, unten auf „Weiter“ zu klicken – heute gibt’s wieder zwei (nachgeholte) Reisetage… wir sind inzwischen schon bei Tag 18 :-)]
Schon wieder / immer noch Yellowstone… Ein toller Nationalpark, der steht jetzt neben dem Arches auf meinem persönlichen Platz 1. So ganz kann ich mich nicht entscheiden, ob einer „besser“ ist, sie sind einfach zu verschieden. Also teilen sie sich eben das oberste Treppchen.
Der Tag begann ganz langweilig mit Packen und Frühstück, danach haben wir den Schlüssel in der Drive-In-Key-Drop-Box eingeworfen und haben Canyon Village verlassen. Zunächst sind wir nochmal kurz zum Canyon gefahren, wir wollten Wasserfälle und Canyonwände gerne nochmal bei anderem (= nicht Gegen-)Licht sehen. Hat sich wirklich gelohnt – zumindest für die Lower Falls, die wir nochmal vom Artist Point fotografiert haben. Nicht nur wir, auch eine ganze Reihe Fotografen mit laaaaangen Objektiven stand da. Wir haben zufällig den Zeitpunkt erwischt, zu dem die Sonne einen Regenbogen neben den Wasserfall zaubert – der immer breiter wird, weil der Wasserfall so viel Wasser zerstäubt und quasi die ganze „Wolke“ in Regenbogenfarben leuchtet.
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Ein kurzer Abstecher noch zum Upper Falls Viewpoint, aber da gab es nichts so besonderes. Wieder schön, aber kein Regenbogen 😉 Für den Rest des Tages stand der untere linke Teil der Acht auf dem Programm:
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Erstmal ein kurzer Seitenweg, die Firehole Canyon Road, mit einem netten Fluss in einem ebenfalls netten Canyon.
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Grundsätzlich aber wollten wir vor allem das Gebiet rund um Old Faithful ansehen, da gibt es genug geothermale Sehenswürdigkeiten. Den Rest (also das Stück von Madison bis runter) hatten wir für morgen geplant, bevor wir den Park verlassen. Aber weil das nach allen Fotos, die ich vom Yellowstone gesehen hatte, meine Lieblingsstelle zu werden versprach, haben wir die Grand Prismatic Spring vorgezogen. Heute war nämlich schönes Wetter (nach anfänglichen 2 Grad waren wir um 10:30h bei muckeligen 18 Grad, das ist hier bei der intensiven Sonne gefühlt schon richtig warm), und da es morgen eventuell bewölkt oder sogar regnerisch sein soll, wollten wir das Risiko nicht eingehen.
Also, Grand Prismatic Spring, nennen wir sie im Folgenden mal GPS. Außer uns wollten noch einige andere Leute hin, aber man kann trotzdem einigermaßen entspannt den Boardwalk entlang schlendern. Nur die Schlange vor der Toilette war um einiges länger als sonst… Bevor man zum Highlight kommt, führt der Weg erst an einem großen und zwei kleinen Pools vorbei, die alle sehr schön anzusehen und zu fotografieren sind, aber irgendwie wartet man (ich) die ganze Zeit nur darauf, endlich die GPS zu sehen. Trotzdem – erstmal die anderen Fotos:

Und jetzt die GPS – tatsächlich, sie ist so schön, wie ich sie mir vorgestellt habe! Trotz der eigentlich warmen Temperaturen war es ziemlich dampfig, aber da man vom Boardwalk aus die blaue Farbe in der Mitte eh nicht so gut sehen kann, war das nicht schlimm. Außerdem sieht es ziemlich klasse aus, wenn der Nebel die Farben der GPS mit aufnimmt – es gibt blaue und orangefarbene Schwaden.

Nachdem wir den Boardwalk einmal komplett abgelaufen waren, habe ich mich in die Toilettenschlange gestellt und Frank ist schonmal vorgewandert. Wir wollten die GPS nämlich von oben sehen, und da gibt es zwei Optionen, sprich Hügel. Einer davon liegt vermutlich besser, hätte aber Gegenlicht bedeutet. Der zweite ist in wenigen Schritten vom Parkplatz aus zu erreichen, das hat Frank gemacht. Oder man fährt ein paar Meter weit mit dem Auto an den Punkt, an dem es augenscheinlich einen Weg nach oben geht – das habe ich gemacht, weil ich mich so am besten mit Frank verabreden konnte. Wenn der Blick nämlich doof gewesen wäre, wäre er gleich wieder runtergekommen. War aber nicht doof, deshalb bin ich ebenfalls den Berg raufgekraxelt, und zwar in quasi gerader Linie nach oben über rutschigen Sand. Nicht der beste Weg, aber der direkteste. Der Blick war die Anstrengung aber auf jeden Fall wert:

Oben haben wir vier nette Amerikaner getroffen, mit denen wir auf dem Boardwalk schon zufällig ein paar Worte gewechselt hatten. Wir haben uns dann gegenseitig fotografiert und der einen Frau anschließend geholfen, den Berg heile wieder runterzukommen. Sie war da etwas ängstlich – und die beiden Männer der Gruppe mussten sich um die zweite Frau kümmern, die noch nie in den Bergen und ebenfalls noch nie gewandert war. Schöner Einstieg 😉
Als wir endlich unten waren, sind wir auf direktem Weg und ohne Zwischenstopp die restlichen 10 oder so Meilen zum Old Faithful gefahren. Dort haben wir das Auto abgestellt, uns nochmal die voraussichtlichen Zeiten der Geysir-Ausbrüche abfotografiert (eine erste Info hatten wir schon vom Visitor Center im Canyon Village) und sind dann losmarschiert auf dem Trail zum Observation Point. Doof – schon wieder ein Hügel. Aber ohne Hügel kein Aussichtspunkt von oben auf den Old Faithful Geyser… diesmal war wenigstens der Pfad einigermaßen Die Zeitplanung passte, wir konnten uns einen schönen Schattenplatz mit direktem Blick sichern. Dort haben wir erstmal unser Mittagessen verzehrt, und pünktlich um 14:42h ist er dann ausgebrochen, der Geysir.

Bin nicht sicher, ob das hier der beste Platz ist, um das zu beobachten, aber der Weg war trotzdem schön, und auf dem Rückweg gab’s noch den Solitary Geyser zu sehen samt Eruption:
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Unten angekommen haben wir erstmal eingecheckt im Old Faithful Inn, in dem wir ein Zimmer ergattert hatten. Das haben wir kurz besichtigt, aus Zeitmangel aber das Gepäck erstmal nicht geholt. Denn der Geyser-Zeitplan sagte, dass wir in einer Stunde am Riverside Geyser sein wollten. Also schnell noch einen Latte (Nicola) bzw. ein Moose Tracks-Eis (Frank, irgendwas mit Fudge und Mini-Peanutbutter-Cups) auf der Terrasse des Inn einnehmen, dabei dem Old Faithful zusehen, der schon wieder geysert, und dann ging’s los. Unterwegs sah es so aus:

Und der Riverside Geyser brach dann auch ungefähr zur angekündigten Zeit aus (ein bisschen Puffer lassen sie ihnen bei den Zeitangaben, bis zu plus/minus 2 Stunden kann es da heißen, dieser hier ist aber relativ verlässlich, weil er nicht mit anderen Geysern verbunden ist, die seinen Rhythmus stören könnten). So sah das aus:

Anschließend sind wir den Trail bis zum Ende, zum Morning Glory Pool gelaufen:
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Und zurück auf dem etwas längeren Boardwalk, vorbei an unzähligen anderen Pools und Geysiren, mit ganz unterschiedlichen Farben, Formen und Verhaltensweisen. Besonders interessant fand ich den Anemone Geyser, der ist nämlich innerhalb von 7-10 Minuten jeweils erst trocken, dann füllt er sich irgendwann mit Wasser, das dann etwas später anfängt zu blubbern, und schließlich gibt’s auch noch eine – wenn auch relativ kleine – Eruption. Danach verschwindet das Wasser mit einem gurgelnden Geräusch wieder, klingt wie Badewannenabfluss… der danebenliegende Pool macht das gleiche Spiel, nur viel schneller – ungefähr wenn der erste Pool anfängt seine Fontäne hochzupusten, dann durchläuft er die vier Stadien innerhalb von einer Minute oder so. Spannend…

Als wir wieder am Old Faithful angekommen waren, war dieser fast ausbruchsbereit. Also haben wir uns zu den wartenden Touristen auf eine Bank gesetzt und ebenfalls gewartet. Der Ausbruch kam dann auch, Old Faithful hat seinen Namen ja nicht umsonst. Frank liest mir gerade (ungelogen, jetzt gerade!!!) was dazu vor. Ich übersetze mal eben: „Der nächte Ausbruch erfolgt jeweils 65 Minuten nach einer Eruption, die kürzer als 2,5 Minuten war, oder 92 Minuten nach einer Eruption, die länger als 2,5 Minuten war“. Aha. Na, bei uns hat es jedenfalls gut in den sonstigen Ablauf gepasst.

Letzte Programmpunkte heute: Gepäck holen, ins Zimmer bringen, Wäschetasche schnappen, zur Old Faithful Snow Lodge drei Häuser weiter fahren, Wäsche waschen und trocknen, dabei in der Lobby sitzen und Blogbeitrag schreiben. Wir haben nämlich nur Kleidung bis Yellowstone mitgenommen, eigentlich wollten wir schon vor drei Tagen waschen, aber der Laundromat dort ist „closed for season“, hier werden nach und nach die verschiedenen Dienste eingestellt, weil langsam der Winter naht. Unser Restaurant ist zum Glück noch geöffnet, die früheste Reservierung war für 21:30h, passt prima zur Laufzeit des Trockners 🙂 Und das war’s für heute, morgen geht der Urlaub weiter 🙂

Tag 15 – Der mit Pools, Springs und Geysiren

Der zweieinhalbte Tag im Yellowstone NP, und langweilig ist uns noch lange nicht. Frühstück wie gehabt in der Lodge, wieder Frühstücksbuffet, diesmal nur besserer Service (aber auch sie hat mein glutenfreies Brötchen erstmal vergessen).
Danach sind wir quer durch den Park auf die Westseite nach Norris gefahren. Bei -1 Grad sind wir aus der Cabin gekommen, nach dem Frühstück waren es immerhin schon 6 Grad oder so. Aber immer noch zu frisch, um draußen rumzulaufen. Also sind wir als erstes ins Museum of the National Park Ranger gegangen und haben uns die kleine Ausstellung mit vielen alten Fotos, alten Park Ranger-Uniformen etc. angesehen.
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Anschließend gab es zwei Filme zu sehen, leider ist der zweite in der Mitte abgebrochen und wir hätten ihn nochmal von vorne sehen müssen – so spannend war er dann aber auch wieder nicht. Also kurz noch die Aussicht von dem Blockhaus auf den Gibbon River (meinen Lieblingsfluss im Park, eindeutig!) genossen und weiter ging’s auf der Loop Road nach Süden, Richtung Madison Junction.
Hier liegt ein weiteres Geysir-Feld, das Norris Geyser Basin. Wir haben unsere Getränke-Haken mit Flaschen bestückt, die Karte mit den Boardwalks und Informationen zu den einzelnen Geysiren in die Hosentasche gesteckt und die Kamera umgehängt – dann konnte es losgehen auf dem ersten Trail. Dieser führt durch das Porcelain Basin, mit diversen Pools und Springs (Quellen, meistens heiß) und Geysiren. Wunderschön und zugleich total unwirklich… überall blubbert es, oder es kommt Dampf aus der Erde, oder es stinkt, oder alles gleichzeitig. Manchmal fragt man sich echt, wie etwas so hübsches sooooo schlecht riechen kann 🙂

Viele der Geysire sind zur Zeit im Ruhezustand, andere brechen nur sehr selten aus, wiederum andere in unvorhersagbarem Rhythmus (die mit „Stundenplan“ kommen morgen oder übermorgen noch). Wir hatten Glück und saßen zufällig auf einer Bank am XXXX Geyser, als dieser anfing zu blubbern und dann eine Wasserfontäne hochspritzte. Noch nicht SEHR hoch (die kommen auch noch), aber immerhin. Übrigens war es inzwischen schönstes T-Shirt-Wetter, mittags bis 20 Grad… die Sonne hat hier oben ganz schön viel Kraft!
Nach einer kurzen Pause am Getränkeautomaten… Moment, den müsst ihr sehen – ist das nicht mal ein wirklich schöner Getränkeautomat?
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Also, nachdem wir uns mit neuen Getränken eingedeckt haben, haben wir uns auf den 2,6km-Loop durch das Back Basin gemacht. Gleicher Parkplatz, gleicher Startpunkt und auch ähnliche Dinge gibt’s zu sehen. Sehr schöne bunte Pools, Blubberlöcher, Schlammlöcher, ein Geysir mit zumindest halbherzigen Ausbrüchen alle paar Minuten… ziemlich abwechslungsreich.

Insgesamt waren wir in den beiden Basins ungefähr drei Stunden unterwegs. Jemandem, der nicht ganz so viel Zeit hat, würde ich den kleineren Back Basin Loop empfehlen mit einem Abstecher zum Steamboat Geyser, da sind dann die (meiner subjektiven Meinung nach) schönsten Stellen mit drin. Im Porcelain Basin ist die rechte Hälfte spannender als der linke Bogen.
Nächster Punkt auf der Tagesordnung: Mittagessen. Dafür hatten wir Picknick im Kofferraum, das gab’s in den Gibbon Meadows. Der Gibbon River hat es mir gestern schon angetan, einfach sehr idyllisch mit goldgelben Ebenen, ab und zu ein Bison, ein paar Bäume, weit gucken kann man auch… also haben wir uns hier niedergelassen und mit folgendem Blick gespeist:
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Noch kurz die Gibbon Falls ansehen, einen kleinen Abstecher über die Virginia Cascades, dann ging es zrück auf die rechte Seite der Acht. Die zweite Tageshälfte hatten wir für den Grand Canyon of the Yellowstone reserviert. Sieht ganz anders aus als DER Grand Canyon, aber ist auch groß und ein Canyon 🙂 Diese Ecke stand für mich irgendwie relativ weit unten auf der Prioritätenliste, aber es war ganz, ganz toll. Es gibt eine Straße am Süd- und eine am Nord-Rand des Canyons, wir haben beide mitsamt allen Aussichtspunkten abgeklappert. Zuerst waren wir an einem Viewpoint für den Upper Fall, also den oberen Wasserfall des Yellowstone River. Nur ein paar Stufen vom Parkplatz entfernt steht man fast direkt an der Abbruchkante, über die das Wasser in den Canyon stürzt.

Anschließend sind wir auf die Südseite gefahren und haben uns den Wasserfall von dort aus (also quasi frontal) angesehen. Einen kleinen Schlenker sind wir auch über den South Rim Trail gelaufen, aber nur vom einen zum anderen Parkplatzende (ok, das war so nicht geplant, aber wir haben wohl eine Abzweigung verpasst – eigentlich wollten wir 1 Meile bis zum Artist Point laufen). Es gäbe hier auch noch verschiedene Trails, die weiter nach unten führen, aber nach den Infos über die Höhenunterschiede und nachdem ich dieses Fotos später von einem anderen Aussichtspunkt aus gemacht habe, weiß ich, warum ich das nicht machen wollte:
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Zum Artist Point sind wir dann mit dem Auto gefahren. Wir hatten gleich doppelt Glück: Erstens waren wir schon wieder auf dem Rückweg, als gleich VIER Busse mit Touristen ankamen – ich fand die eine Busladung schon anstrengend, die mit uns gleichzeitig dort war. Zweitesn mit dem Licht, die Felsen links und rechts vom Lower Fall sahen unglaublich toll aus, alle Farben, von strahlendem Weiß über Knallgelb und Gold zu leuchtendem Rosa. Mal wieder fast unnatürlich kitschig, aber trotzdem echt. Hier hat das was mit den geothermalen Aktivitäten zu tun, die Gase und/oder Säure verändern das Gestein und sorgen für die Farben.

Der Wasserfall war übrigens auch beeindruckend, das will ich mal nicht vergessen:


Erstaunlich früh, weil der Canyon direkt neben unserer Cabin liegt (deshalb heißt der „Ort“ ja auch Canyon Village), waren wir wieder zurück. So konnte Frank seine beginnenden Kopfschmerzen eine halbe Stunde lang wegschlafen und ich mein neuerworbenes Buch lesen, bevor wir zum Abendessen in die Lodge gefahren sind. Und damit kommt hier auch das noch der Bison des Tages:
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Zum Abschluss noch die Übersicht, wo wir uns heute bewegt haben – das gepunktete Stück war ausschließlich Fahrt, ohne „Besichtigungen“:
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Tag 14 – Der mit ganz vielen Bisons

Heute fing der Tag überraschenderweise mal mit Frühstück an 🙂 Mit nur 10 Minuten Wartezeit vor einem riesigen Kamin konnten wir in der Canyon Lodge ans Frühstücksbuffet. Das bot alles, was das amerikanische Frühstücksherz begehrt – Rührei, Bacon, Würstchen, French Toast, Früchte, Joghurt, Burritos mit diversen Füllmaterialien… da wurden auch wir satt. Der Service war tatsächlich mal sehr unamerikanisch langsam und vergesslich, das hatten wir so noch nie. Außerdem ist es etwas komisch, wenn reihenweise Leute eine halbe Stunde warten müssen, aber die Hälfte der Tische im Raum leer sind…?
Nach dem Frühstück sind wir bei frischen 4 Grad Celsius aufgebrochen Richtung Norden. So richtig schön war’s draußen noch nicht, die Wolken hingen tief. Tief im Sinne von ungefähr auf Augenhöhe, spätestens als wir den Dunraven Pass überquert haben. Aber danach wurde es kontinuierlich besser 🙂
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Erster Stopp auf der Route waren die Tower Falls, mal wieder ein Wasserfall. Muss man nicht gesehen haben, aber da eh eine Baustelle auf dem nächsten Stück war, konnten wir hier nochmal Kaffee auftanken, die Restrooms aufsuchen und uns dann in die Schlange hinter dem Mann mit dem Stoppschild einreihen. Baustellenampeln gi bt es hier nämlich fast nie, eigentlich immer stehen Menschen an beiden Enden des einspurigen Bereichs und halten entweder ein Stopp- oder ein Slow-Schild in der Hand, je nachdem, welche Seite gerade fahren darf.

An der ersten Kreuzung sind wir nach rechts ins Lamar Valley abgebogen. Hier geht’s zum Nordost-Ausgang, ganz so weit sind wir nicht gefahren, aber hier halten sich in der Regel größere Bisonherden auf, und die wollten wir sehen. Auch sonst ist das Tal sehr schön, immer am Fluss entlang, der mal ruhiger, mal etwas schneller fließt, mal ist das Tal sehr breit und flach, dann wieder fährt man durch kleine Hügel…

Die meisten Hügel sind dekoriert mit schwarzen Pünktchen, die man irgendwann lernt als Bisonherde zu erkennen. Manchmal sind die Pünktchen allerdings auch direkt am Straßenrand, das erkennt man normalerweise an der Anzahl der dort parkenden Autos. Hier also unser heutiges Best-of-Bison aus dem Lamar Valley:

Außerdem Bisons hatten wir auch noch ein paar Pronghorns auf dem Weg bzw.neben der Straße, Mr. Pronghorn musste seinen Harem verteidigen gegen einen Konkurrenten und dann die Mädels zurück zur Gruppe treiben:

Zurück auf der Upper Loop Road (ihr erinnert euch – die Acht? Wir sind jetzt oben rechts) haben wir endlich mal wieder eine ungeteerte Straße mit Schlaglöchern für Frank gefunden. Hier geht es ein paar Meilen lang durch die Landschaft, abseits der deutlich mehr befahrenen Loop Road. Sehr schön, man sieht hier z.B. gut die Auswirkungen bzw. Ausdehnung von vergangenen Waldbränden und das Nebeneinander von alten und neuen Bäumen. Zurück auf der Loop Road mussten wir ein Stück nochmal fahren, da die Gravel Road nur in eine Richtung und natürlich GEGEN unsere heutige Fahrtrichtung befahrbar ist. Und da hatte sich nun eine Herde Bisons in den Kopf gesetzt, kurz vor uns die Straße überqueren zu wollen und damit den Verkehr aufzuhalten.
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Gibt aber Gelegenheit zum Fotografieren, hier mein Lieblingsbild:
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Es folgten zwei Wasserfälle, die kurz nacheinander an der Straße lagen: Wraith Falls (ok, das war ein 0.5-Meilen-Spaziergang) und Undine Falls (direkt am Parkplatz). Während ersterer eher kein Fall, sondern ein Rutsch war, das Wasser nämlich eher eine schräge Fläche runterrutschte, war der zweite mit mehreren Stufen, zwei sich über die Grasfläche darüber jagenden Elks und einem Skelett (vermutlich auch ein Elk) etwas interessanter. Dafür hat der erste den Spaziergang… wenn man also wie wir genug Zeit hat, lohnt sich beides.

Als nächstes lagen die Mammoth Hot Springs auf dem Weg. Wieder ein Ort, diesmal sogar relativ groß (also für Yellowstone NP-Verhältnisse natürlich). Frank hat sich erstmal ein spezielles lokal hergestelltes Eis geholt, ich hatte einen Kaffee. Dann haben wir uns bei sonnigen 20 Grad – das soll ich unbedingt schreiben, damit ihr nicht die 4 Grad von oben im Kopf behaltet und uns bemitleidet – aufgemacht, den unteren Bereich der Hot Springs zu Fuß zu erkunden. Wie in allen geothermal aktiven Gebieten gibt es auch hier Holzstege, die man besser nicht verlässt… und die einen zuverlässig an allen sehenswerten Ecken vorbeiführen. Besonders beeindruckend fanden wir gleich am Anfang die Artist Spring, viele Farben, unzählige Stufen aus Travertin (gibt es dafür ein deutsches Wort? Habe gerade kein Google, schreibe das hier ja im Yellowstone), Wasser, fragile Gebilde rund um die Wurzeln von anscheinend sehr anpassungsfähigen Blumen… toll.

Nachdem wir alle gesehen hatten, sind wir hoch auf die Upper Terrace und dort mit dem Auto den Loop Drive gefahren. Insgesamt nicht so schön wie unten, finden wir, nur die Canary Terrace und das davor liegende Eckchen waren super.

Wir als Deutsche sind ja schon als sehr regelhörig verschrieen, glaube ich, aber manchmal haben Regeln ja auch Sinn. Zum Beispiel die „Nicht vom Weg abkommen, hier ist alles bröselig und darunter ist es heiß“-Regel. Oder die „Nicht den Finger reinstecken, das Wasser kocht / ist ätzend“-Regel. Letztere scheint aber nicht jeden wirklich abzuschrecken. Direkt neben uns meinte eine Frau mittleren Alters „it cannot be THAT hot“ und steckte ihre halbe Hand rein. Ich gebe es zu, ich hätte ihr gegönnt, dass es zumindest heiß genug ist, dass sie sich etwas erschreckt. War es nicht, aber muss man sowas machen, wenn a) Kinder in der Nähe sind und b) man es dem Wasser wirklich nicht ansieht, wie heiß es ist, geschweige denn, ob es vielleicht einen pH-Wert wie Batteriesäure hat, wie man manchen Stellen extra erwähnt?
Genug empört, wir haben dann die Mammoth Hot Springs verlassen und waren wieder auf dem Weg nach Süden. Die Strecke fand ich (Frank war da nicht unbedingt meiner Meinung) viiiiiieeeeeel schöner als die andere Seite, die wir morgens hoch gefahren waren. Hier wechseln sich kleine Wälder, Berge, Hügel, Seen, der Gibbon River, interessante würfelförmig zerfallende Felsen am Sheepeater Cliff ab – hier wäre ein Picknick toll, aber leider war es weder Abendessenzeit noch hatten wir geeignetes Essen im Gepäck. Vielleicht beim nächsten Mal…

Erinnert ihr euch an Jurassic Park, also den Film? Da sieht man irgendwann einen Dino im Rückspiegel, zusammen mit dem Hinweis „Objects in the mirror are closer than they appear“ – das steht hier wirklich in jedem Außenspiegel, und wir hatten heute auch so ein ganz-nah-Erlebnis:
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Da bis zum Sonnenuntergang noch etwas Zeit war, haben wir uns die Artist Paintpots angesehen, ein weiteres Gebiet mit geothermaler Aktivität. Ein angeblich eine Meile langer Weg (kam mir länger vor) führt durch die Pools und Springs und Blubberlöcher, auf einen Hügel mit weiteren Pools und Springs und Blubberlöchern und wieder runter. Mittendrin haben wir eine Pause eingelegt, weil man in nicht so ferner Ferne einige Koyoten heulen hören konnte. Mit irgendwas waren sie nicht so glücklich – oder klingen die immer so?

Nun war es langsam Zeit, nach Hause in die Cabin zu fahren. Über das Querstück der Acht sind wir zurück nach Canyon Village gelangt, mit einem kleinen Abstecher zu den Virginia Cascades. Mal wieder ein Wasserfall, aber an einer kleinen Seitenstraße gelegen und daher nicht so bekannt und besucht. Sehr ruhige Ecke, der Wasserfall ist auch ganz nett, aber kein Muss.
Zum Abendessen haben wir uns in der Cafeteria mit SelfService etwas geholt, im Restaurant hätten wir eine Stunde warten müssen. Der Salat und die Wraps waren sehr lecker, aber auch seeehr kalt. Hätten wir besser mit in die Cabin genommen und auf die Heizung gestellt. Dann hätten wir beim Umfüllen in die Mitnehm-Kartons vermutlich auch das Salatdressing mit Inhaltsbeschreibung gefunden, beim mitgelieferten wusste ich nicht, was drin war, habe ich also nicht gegessen… trockener Spinatsalat schmeckt nicht ganz so gut wie einer mit leckerem Blue Cheese Dressing, kann ich euch sagen.
Und hier der Überblick, wo wir heute waren:
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Tag 13 – Der mit dem ersten pupsigen Blubb

Ausnahmsweise sind wir heute mal früh… nein, nicht aufgestanden, der Wecker steht meistens auf 7h… aber heute sind wir innerhalb von 12 Minuten aus der Cabin aufgebrochen. Wir wollten vor dem Frühstück schon ein bisschen nach Tieren gucken, wenn wir es schon nicht zum Sonnenaufgang schaffen. Also waren wir erst in der Nähe der Jackson Lodge und haben dort ein paar Elks/Wapitis beobachtet und den tollen Weitblick genossen. Danach sind wir ein Stück weiter gefahren und haben an der Oxbow Bend Fotos gemacht. Und zuletzt sind wir die Cattlemans Bridge Road bis zum Ende gefahren und haben dort einen Weißkopf-Seeadler beobachtet. Insgesamt wenig Tiere, aber soooo schön – ruhig, bunt, tolle Luft, und natürlich das gute Gefühl, dass wir nicht rumgetrödelt haben 😉

Das Wetter hat auch mitgespielt, zwar kein komplett blauer Himmel, aber die Berge waren schön angestrahlt. Wenn wir die Wolken richtig interpretiert haben, dann hätte sich früheres Aufstehen auch nicht gelohnt, jedenfalls wettertechnisch – denn die Sonne war gerade über dem Wolkenrand aufgegangen, als wir aus der Cabin kamen. Also war vorher nix mit Sonnenaufgang und rosafarbenen Berggipfeln.
Wenn man schon vor dem Frühstück aufbricht, muss nach der Aktivität dann aber ein leckeres ebensolches warten. Wir hatten die Wahl zwischen dem Restaurant in der Canyon Village Lodge (da waren wir gestern und haben dort ja auch unsere Cabin) und dem Restaurant in der Jackson Lodge. Hm… gestern beim Wildlife Caravan hat doch jemand erzählt, es gäbe in der Jackson Lodge ein tolles Panoramafenster… und das überzeugt uns sofort. Liegt eh auf dem Weg zurück. Und wirklich – man kommt eine breite Treppe rauf in den ersten Stock (nach US-Zählung natürlich der zweite) und läuft auf eine fast deckenhohe Glasfront zu, davor stehen bequeme Sofas und es gibt zwei riesige Kamine. Durch die Fenster sieht man ungefähr das, was wir vorher draußen hatten: die Willow Flats, dahinter den Jackson Lake und natürlich die Tetons.
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Wir entscheiden uns gegen das Buffet und für Spiegeleier mit Toast und Kartoffeln. Gute Wahl! Im Hintergrund dudelt Musik, Frank Sinatra & Ähnliches, dazu der Blick und die rustikalen Möbel – wir fühlen uns ein bisschen wie in der Reportage über den Luxuszug, der v.a. britische Gäste quer durch Afrika fährt. Mal was anderes…
Nach dem Frühstück geht es zurück zu unserer Cabin, einpacken und Blogbeitrag von gestern hochladen. Dann fahren wir ab, allerdings erstmal nur ein paar Meter weit. Einkauf im General Store, anschließend ein kurzer Bummel – mehr war’s diesmal wirklich nicht – auf einem Trail vom Colter Bay Visitor Center runter zum See, der hier aber gerade (schon länger?) trocken lag. Also der Jackson Lake war schon noch da, nur der Seitenarm war leer. Noch kurz ins Visitor Center, dann haben wir uns auf den Weg nach Norden gemacht. Neben ein paar Drive-In-Aussichtspunkten ist nichts aufregendes passiert, uns gefällt der untere Teil definitiv besser. Hätten wir vorher gewusst, dass wir die Ranger-Tour machen und damit eh am Ende des ersten Tages noch so weit im Süden sind, hätten wir die zweite Nacht auch in Jackson und nicht im Park gebucht. Vor allem, da das Flat Creek Inn fast direkt am Parkeingang liegt… wäre also kein großer Umweg gewesen. Aber gut, das ist jetzt „jammern auf hohem Niveau“, alles kann man ja nun nicht planen.
Der Grand Teton NP stößt im Norden fast mit dem Yellowstone NP zusammen – nur fast, weil dazwischen ein 8 Meilen langer „John D. Rockefeller Memorial Parkway“ liegt. Rockefeller war maßgeblich am Schutz der gesamten Gegend beteiligt, u.a. indem er große Stücke Land aufkaufte und es letztendlich dem Staat für die Erweiterung des Parks überließ.
Im Yellowstone sieht es erstmal nicht so aus, wie man sich das vorstellt – keine heißen Quellen, keine Geysire, keine Büffel. Stattdessen Wald und ein Fluss, der an der Straße entlangplätschert. Die Lewis-Falls waren unser erster Stopp, Wasserfälle hatten wir ja länger nicht (seit Moab).

Danach sind wir direkt zum Grant Village weitergefahren, einem von sechs oder sieben „Orten“ im Nationalpark. Ort heißt: Eine Lodge, ein Visitorcenter, ein General Store. Diesmal war das Visitor Center unser Ziel, wir wollten ein paar Karten holen (die allgemeine Park-Übersichtskarte gibt es schon am Parkeingang, aber wir wollten mehr zu den einzelnen Ecken, die wir uns ansehen wollen). Außerdem hatten wir tatsächlich mal direkt die Zeitung durchgesehen, die es ebenfalls am Parkeingang gibt – und die u.a. die Rangerprogramme auflistet. Passend zu unserer Ankunftszeit gab es um 14:30h einen Rangervortrag über Wildlife, in diesem Fall über

  • Mountain Lions (Pumas, die können aus dem Stand über 12m weit und 3m hoch springen – das waren so ungefähr die Ausmaße der Veranda, auf der wir saßen),
  • Lynx (Luchse oder sowas ähnliches, das sich jedenfalls nur von Schneehasen ernährt) und
  • Bobcats (keine Ahnung, was das auf deutsch ist?).


Sehr unterhaltsame halbe Stunde, wieder ein bisschen was dazugelernt!
Und dann ging es los mit den typischen Yellowstone-Sehenswürdigkeiten. Kurz hinter dem Visitor Center liegt das West Thumb Geyser Basin direkt am Yellowstone Lake – hier dampfen und blubbern diverse Geysire vor sich hin, alle „unpredictible“, also ohne genauen Ausbruchts-Terminplan. Viele haben schon seit Jahren nicht gespuckt, und auch heute nicht. Trotzdem fand ich das total faszinierend. Frank war ja schonmal in Island und kannte zumindest Geysire und Blubberlöcher, aber ich habe sowas noch nie live gesehen. Man wandert auf hölzernen Stegen durch das Gebiet, immer wieder sieht man Warnschilder, dass man diese auf keinen Fall verlassen soll. Würde mir im Leben nicht einfallen, man sieht ja rundrum, dass überall Löcher mit offensichtlich heißem Wasser sind. Da würde ich kaum ausprobieren, ob genau da, wo ich meinen Fuß hinsetzen will, fester Boden ist… Hier ein paar Fotos:

Wenn man die schönsten Stellen am Schluss sehen möchte, sollte man übrigens links anfangen, den inner loop laufen, dann am Ende auf den outer loop wechseln und gegen den Uhrzeigersinn bis zum Ausgangspunkt zurückgehen. Ist natürlich subjektiv, aber so würde ich’s empfehlen bzw. Bewerten.
Nach den Geysiren sind wir am See entlang über Fishing Bridge is zum Lake Butte gefahren, weil die Rangerin uns diese Ecke empfohlen hatte, wenn man Bären sehen möchte. Da wir nun aber kein Bärenspray haben und auch nur zu zweit waren (auf den Schildern wurden Gruppen ab vier Personen empfohlen), haben wir uns nicht getraut zu wandern. Und auf der Straße gab’s keine Bären zu sehen… naja, vielleicht später.
Also sind wir zurück und dann Richtung Canyon Village gefahren, dort übernachten wir heute und die nächsten beiden Nächte. Mit viel Glück hatten wir vor vier Wochen noch eine Cabin hier bekommen, und sogar eine mit tollem Blick auf sonnenuntergangsbestrahlte Berge (aber das wissen wir an dieser Stelle natürlich noch nicht :-)). Auf dem Weg lag noch das Gebiet des Mud Volcanos, die den heutigen Tagestitel bestimmt haben. Hier gibt es weniger klare Pools, sondern vor allem Matschlöcher, die mehr oder weniger still vor sich hinblubbern. Und stinken. Während die am Grant Village vor allem Dampf und ein kleines bisschen Schwefel ausgestoßen haben, riechen diese hier im besten Fall nach seeeeehr faulen Eiern, im schlechtesten nach angebrannten faulen Eiern. Nicht lecker! Sehr pupsig! Irgendwo habe ich gelesen, dass es früher hier viel stärker gerochen haben soll und heute fast nichts mehr zu riechen ist, das kann ich so nicht bestätigen. Trotzdem, da mussten wir durch. Der Rundweg über den Holzpfad war nicht lang, nur einen Kilometer. Man kommt an allen wesentlichen Löchern vorbei, jeweils mit Erklärungen, wie diese entstanden sind oder sich verändert haben. Hier zum Beispiel sah es früher ganz anders aus, komplett bewaldet. Dann hat sich nach mehreren Erdbeben in den 1970er Jahren die Erdoberfläche auf fast 100°C erhitzt, und das haben die Pflanzen nicht überlebt. Besonders gut gefallen hat uns Dragon’s Mouth Spring, hier „faucht“ die Höhle, stößt Dampf aus und das Wasser bewegt sich durch das aufsteigende Gas in Wellen…

Das war’s dann auch fast für heute, haben im Canyon Village eine Frontier Cabin bezogen, nicht ganz so rustikal wie im Grand Teton NP, sondern eher Marke „Trailer“ – immer vier Cabins in einem Block. Aber immerhin mit dem oben erwähnten schönen Blick…
Schnell noch was gegessen (im Restaurant hätten wir 45 Minuten warten müssen, fünf Meter weiter konnten wir uns sofort setzen und in netter Diner-Atmosphäre Salat und Burger essen. Besonders schön: die Gäste sitzen an U-förmigen Tischen/Theken, der jeweilige Kellner läuft innen im U herum und bedient. Unserer war als Kind mal in Karlsruhe, seine Oma ist Deutsche. Dass wir Deutsche sind kommt oft dann zur Sprache, wenn es uns so völlig egal ist, ob wir Diet Coke oder Diet Pepsi bekommen… und so haben wir dann ein bisschen geplaudert.
Und eine Übersicht, welchen Teil des Parks wir heute gesehen haben:
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Und für die, die noch nicht hier waren: Durch den Park führt im Wesentlichen eine Straße in Form einer Acht oder zweier aneinandergeklebter Kreise. Wir wohnen zunächst im Canyon Village, in der Mitte an der rechten „Einbuchtung“ der Acht. Die letzte Nacht werden wir in Old Faithful Village schlafen, das ist unten links. Und die nächsten Tage verbringen wir damit, die Acht möglichst vollständig mit allen relevanten Sehenswürdigkeiten und ausreichend Tieren abzufahren. Mal sehen, wie weit wir kommen…

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