Kategorie: FLORIDAys (2011) (Seite 1 von 2)

Kennedy Space Center

Heute nochmal ganz was anderes als vorher: Das Kennedy Space Center. Das kommt einem Themenpark noch am nächsten, für andere hatten wir ja keine Zeit diesmal. Leider (?) wissen wir ja, dass Orlando und Fort Lauderdale bei allen Condor Fliegenpreisen-Aktionen immer ganz vorne mit dabei ist… könnte also unter Umständen vielleicht eventuell passieren, dass es uns nochmal nach Florida verschlägt ;-))
Also, Kennedy Space Center – wie zu erwarten einigermaßen „wir sind eine Supermacht“, und dazu eben sehr touristisch, aber trotzdem interessant. Wir haben das normale Ticket genommen, weil man lt. unseren Informationsquellen sowieso nicht mehr an einem Tag schafft (es gibt noch zwei Spezial-Touren, bei denen man weitere Punkte auf dem Gelände besucht). Gut, wenn man sich die Warteschlangenbereiche so ansieht, muss es hier wohl manchmal viel voller sein, wir sind immer direkt durchmarschiert und musste nie irgendwo warten. Trotzdem haben wir die Zeit von 10-16h gut rumgebracht, und zwar hiermit:

  • Shuttle Launch Experience: ein Simulator, der die letzten Sekunden vor dem Start simuliert. Ganz nett, aber sehr kurz (der Einführungsfilm war deutlich länger als der eigentliche Start)
  • IMAX-Film über das Hubble-Teleskop. Sehr gut, 3D im Weltall macht sich gut. Ein paar Infos, wie das Teleskop dahin gekommen ist, sonst vor allem Bilder aus dem Weltall und was  man mit dem Hubble-Teleskop so sehen und daraus schließen kann
  • Busrundfahrt über das riesige Gelände, u.a. vorbei an der Halle, in der die Raketen und Shuttles zusammengebaut werden. Zwei Haltepunkte, von einem aus kann man die Startrampen sehen, im anderen wird ein Film zu den Apollo-Raketen sowie eine solche in LEbensgröße gezeigt. Beeindruckend groß, und die Kapsel für die Astronauten ist erschreckend klein (sowohl im Verhältnis zur Gesamtlänge als auch absolut gesehen)
  • Rocket Garden – hier stehen diverse Raketen und zwei (glaube ich) dieser „Astronautenkapseln“ rum. Schön für Fotos, ansonsten nicht so interessant.
  • IMAX-Film über die Internationale Raumstation (ISS) – der war super, in 3D kann man sich das viel besser vorstellen. Es ging vor allem um den Aufbau der ersten 4 Module und das Leben der Astronauten in der Station bzw. ihre Arbeit daran.
  • Ausstellung über die Geschichte der Raumfahrt mit Raketen, alten Anzügen, dem Kommandoraum der ersten Apollo-Raketenstarts (süß – jeder Taschenrechner hat heute mehr Rechenleistung, aber irgendwie haben sie die ja trotzdem hoch- und wieder runterbekommen)





Sehr interessant, aber nichts, was ich beim nächsten Mal nochmal machen müsste. Vielleicht wenn man total Raumfahrtinteressiert ist, aber so als Normalsterblicher reicht das jetzt. Einzige Ausnahme wäre, wenn gerade ein Start geplant wäre – aber dann muss man auch nicht in das KSC, sondern fährt irgendwo in die Nähe an den Strand zum Gucken.
Der Rest des Tages: bis zum Sonnenuntergang (der natürlich im Rücken stattfand, wir sind ja an der Ostküste, aber hat ja auch was mit Licht und so zu tun) an den Strand und den Pelikan-Kampfgeschwadern beim Fliegen zugucken, dann zwei Stunden Fahrt Richtung Flughafen, damit wir morgen nicht mehr so viel fahren müssen. Einkaufen für’s Abendessen und für den Flug morgen (ich zahle keine 15EUR für glutenfreies Essen, das dann entweder nicht kommt oder ecklig schmeckt, Frank überlegt noch, ob er sich auch einfach ein Sandwich holt, sein Essen war auch nicht so doll). Auto ausräumen, gepackt wird aber erst morgen früh, und dann Muscheln waschen und verpacken.
Zum Abschluss noch eine Folge Conan, das ist eine der Late Night Shows, sehr witzig – heute mit dem indischen Schauspieler aus Big Bang Theorie, super.

Turtles, Gators und ein Kanu

Und wieder ein toller Tag, wenn auch nicht ganz so spektakulär wie gestern, aber das wäre dann auch zuviel verlangt. Gestartet sind wir mit einem leckeren amerikanischen Frühstück, also Eier, Bacon, Frank hatte Pancakes, dazu guten Kaffee. Manchmal ist das mit dem Universum und den Wünschen, die man dorthin schickt, ja so eine Sache – wird nicht immer so erfüllt, wie man es erwartet. Ich wollte gerne in einem familiären Kleinstadtdiner frühstücken, so was war hier aber nicht bzw. wir wussten nicht, ob und wo. Also waren wir beim Denny’s, einer Kette, normalerweise eher anonym. Und was passiert? Wir werden die den kleineren abgetrennten Sitzbereich gesetzt, da kennen alle sich und den Kellner, der plaudert mit jedem, die Frau vom Nachbartisch gibt uns einen 20%-Coupon für unser Frühstück, den sie nicht selbst braucht, danach unterhalten wir uns ein bisschen. Genau die Stimmung, die ich haben wollte, ganz unerwartet.

Bis zum Ende des Frühstücks wussten wir noch nicht genau, was wir anschließend machen würden – grundsätzlich mussten wir mal langsam Richtung Osten/Küste, aber wie genau und was unterwegs unternehmen? Eine goldene Grundregel ist immer: nimm im Hotel beim Einchecken alle interessanten Flyer, Werbe- und Couponheftchen mit, wer weiß, was man da findet. Vor ein paar Tagen schon hatte ich ein Heft mit einer Übersicht aller State Parks in Florida (immerhin 161) gefunden. Da war ein „Silver River State Park“ drin, der auf der Strecke lag. Also sind wir einfach mal hingefahren und sind zunächst den River Trail gelaufen, ca. eine Meile bis zum Fluss. Dort haben wir uns mit einigen Paddlern unterhalten und beschlossen, dass wir auch Kanu fahren wollen. Dumm nur, dass man die nur am Parkeingang mieten kann – also eine Meile zurück, Schlüssel und Paddel holen, wieder zum Parkplatz, das ganze Gezumpel eine Meile bis ans Wasser tragen. Da konnten wir dann endlich unser Kanu aufschließen und lospaddeln.

Sooo schön, ganz ruhig, viele Tiere zu beobachten (siehe unten), viele Schildkröten und diverse Wasservögel, aber auch zahlreiche Gators, die faul in der Sonne liegen.

Es sind auch kaum Leute unterwegs – uns sind in den zwei Stunden „bergauf“ vielleicht 6 oder 7 Menschen entgegengekommen. Am Ende des Flusses liegt, wie das so üblich ist bei einem Fluss, die Quelle. Da kann man schön Fische beobachten, drumherum befinden sich zwar diverse Einrichtungen der „Silver Springs Recreation Area“, aber mitten in der Woche und außerhalb der Hauptsaison war da überhaupt nichts los. So konnten wir in Ruhe die Fische beobachten, die rund um die Quelle kreisen. Dann ging’s in 45min zurück, jetzt „bergab“, da konnte man sich einfach mal treiben lassen und die Stille genießen. So sieht man dann auch mal schwimmende Schildkröten unter sich durchtauchen, oder kommt noch näher an die Vögel ran. An die Gators theoretisch auch, aber da haben wir mal vorsichtshalber einen gewissen Sicherheitsabstand eingehalten. Diese Schildkröte nicht, sah aus wie „na, wer hält den Blick länger aus ohne zu blinzeln?“

Danach gab’s nicht mehr so viel Spannendes – zurück zum Auto, 50 Meilen nach Osten bis Daytona Beach fahren. Der Strand dort ist bei passendem Wasserstand mit dem Auto zu befahren, aber als wir ankamen, war leider Flut, also war der Strand gesperrt. Handy programmieren, ab zum Outback Steakhouse. Dort gab’s dann wie geplant das Geburtstagsdinner: Baby Back Ribs und „Chocolate thunder from downunder“. Göttlich. Habt ihr schon mal Rippchen gegessen, bei denen man einen Knochen hochhebt und das Fleisch einfach durch Schwerkraft abfällt, weil es so zart ist? Bei denen man tatsächlich mit Messer und Gabel isst, weil man sonst beim ersten Bissen gleich das gesamte Fleisch im Mund hat, weil es von selbst abgeht? Sorry, die Beschreibung musste jetzt sein 🙂

Nun sind wir im vorletzten Hotel, direkt in der Nähe des Kennedy Space Centers, das steht morgen noch auf dem Programm, danach fahren wir weiter Richtung Süden und nehmen noch einen Strand irgendwo mit…

Schwimmen mit Manatees

Kennt ihr das, dass man etwas macht und die ganze Zeit denkt „das kann doch jetzt nicht wirklich wahr sein“? Im positiven Sinn? Wir hatten das heute. Ich habe gestern Abend im Hotel noch ein Poster gesehen, das für eine besondere Tour geworben hat. Kurz gegoogelt, ein paar Anbieter bei www.tripadvisor.com verglichen, für River Ventures entschieden, früh aufgestanden.
Und dann?

Wir waren auf einer „swim with manatees“ Tour auf dem Crystal River. Nun wette ich mal, dass keiner von euch weiß, was ein Manatee ist? Das können wir ja schnell ändern:  Zu deutsch: Seekuh. Eigentlich biologisch gesehen eher ein Seeelefant, das ist ihr nächster Verwandter. Egal. Großes freundliches neugieriges Säugetier, das im Winter hier in der Nähe der gleichbleibend warmen Quellen lebt und als reiner Pflanzenfresser sehr touristenfreundlich ist.
Wir waren nur zu viert auf dem Boot, zwei Holländer und wir, dazu zwei Kapitäne/Tourguides, einer von denen hatte heute frei und ist aus Spaß mitgefahren. Beide (Larry und Glen) sind noch mehr als alle anderen Guides, die wir irgendwo hatten, 100%ig überzeugt von ihrem Beruf, eher noch Berufung.
Nach einer kurzen Videoeinführung und Einkleidung in Wetsuits ging es 5min mit dem Auto zum Anleger, dann 5min mit dem Boot zum ersten Schnorchelpunkt. Ich kann das gar nicht alles beschreiben, ich fürchte der eine oder andere von euch wird das bei einem Fotovortrag noch mal live hören (dürfen).
Manatees sind friedlich aber schreckhaft, also darf man nicht schwimmen, sondern nur „floaten“ – also treiben lassen. Es gibt eine ganze Menge gesetzliche Vorschriften, wie man sich verhalten muss, das wird auch von den Guides und zusätzlich von Manatee Watch (eine Art Parkranger) überwacht. Wichtigste Regeln: max. bis auf einem Meter nähern, warten bis sie zu einem kommen, nicht am Kopf oder Schwanz anfassen, nie mit beiden Händen gleichzeitig anfassen (so kann man am einfachsten kontrollieren, dass niemand sie festhält) und nie hinterherschwimmen oder -tauchen, wenn sie sich entfernen wollen. Wenn man das alles einhält, bekommt man ein einmaliges Erlebnis geboten.
Vor allem die Babies (immerhin auch schon 2m oder so lang) sind neugierig und wollen spielen, lassen sich kraulen und gucken interessiert in die Kamera. Die großen (3-4m lang und ordentlich breit) waren hier eher verschlafen – aber dadurch nicht weniger interessant. Sie schlafen auf dem Grund, kommen nur alle 10-15min hoch zum Luftholen. Also sieht man unter sich zig dieser schlafenden Riesen liegen, wenn man langsam rumschwimmt. Wir hatten den ersten Manateepunkt lange für uns alleine, als dann mehrere weitere Boote kamen, sind wir woanders hingefahren. Dort war das Wasser nicht so klar, dafür kamen schon beim Ankerwerfen die ersten Manatees angeschwommen und man musste beim Aussteigen aus dem Boot schon drauf achten, auf keinen draufzutreten. Mehr eventuell gleich, erst mal diesen Teil hochladen…




Das sind keine Felsen, das sind alles Manatees!

Strandtag

Tagesmotto: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert – und noch mehr, wenn wir die Freiheit haben, unsere Pläne spontan zu ändern.
Morgens war der Himmel grau, also wollten wir ein längeres Stück fahren in Richtung unseres nächsten Programmpunkts. Dann haben wir kurz angehalten um einen Kaffee zu holen, und als wir rauskamen, war der Himmel blau und wir haben schnell unsere Pläne geändert. Eigentlich wollten wir nur einen kurzen Abstecher zum Strand machen, aber irgendwie sind wir dann auf Honeymoon Island hängengeblieben. Wieder mal ein Statepark, also mit Eintritt, daher schonmal weniger Leute. Großartige Bespaßung gab’s auch nicht, sondern nur zwei Cafés in netten Holzhäusern, dazu 5 Sonnenschirme mit je zwei Liegestühlen, einen davon haben wir für den Tag gemietet. Und das wars dann – Muscheln sammeln (endlich mal größere und die Sorten, die ich haben wollte), auf’s Meer schauen, Frank war einmal kurz schwimmen.


Guter Tag, der Strand kommt definitiv weit oben auf die TOP5-Liste. Für euch allerdings nicht so spannend – dafür machen wir morgen was hoffentlich ganz tolles, was ich noch nie gemacht habe und ihr wahrscheinlich auch nicht. Es sei denn, ihr seid schonmal hier in Florida gewesen, ich glaube woanders gibt es das nicht. Demnach ist es KEIN Freizeitpark, und auch keine Shopping Mall. Viel besser, Unterwasserfotos gibt’s dann morgen wieder!

Inselhüpfen

Der Tag fing heute erst mal mit einem super Frühstück im Hotel an, Frank hatte Glück und es gab frischgebackene Waffeln – mit Selfservice, da steht ein Waffeleisen und daneben Becher mit jeweils einer Portion Waffelteig, und jeder macht sich seine Waffel selbst. Zuerst sind wir nach Siesta Key gefahren, eine relativ kleine Insel in der Nähe von Fort Myers. Hier liegt der Strand, der 2011 als bester Strand der USA ausgezeichnet wurde. Nicht zu Unrecht, würden wir sagen. Breit, ruhig, und unglaublich weicher weißer Sand. Sowas habe ich noch nicht gesehen bzw. gefühlt.
 
Gut nur, dass es etwas bewölkt war, sonst hätte es definitiv zu sehr geblendet. Hier sind wir mal wieder entspannt am Strand entlang geschlendert, haben hier und da eine Muschel aufgehoben und die schöne Aussicht genossen. Es gibt hier nicht ganz so viele Muscheln wie in Sanibel, aber dafür viel mehr Sand Dollars. Was das ist? Runde flache Scheiben, sehr zerbrechlich, mit immer dem gleichen Muster (ungefähr wie eine 5blättrige Blume) auf der einen Seite und fünf immer gleich angeordneten Löchern. Neben vielen Bruchstücken haben wir am Ende 6 intakte Sand Dollars gefunden, mal sehen, ob wir die heile nach Hause bekommen. Sicherheitshalber haben wir sie mal fotografiert… Nach Siesta Key stand mit Anna Maria Island eine weitere Insel auf dem Plan, die uns von allen Seiten als Geheimtipp mitgegeben wurde. Auch hier hat sich das wieder bestätigt – die Insel ist übersichtlich, hat mehrere tolle Strände, nette Wohngegenden, kleine Geschäfte, eine schöne Strandbar… mehr braucht man nicht. Zum Mittagessen haben wir uns im Publix, unserem bevorzugten Supermarkt, ein Hühnchen geholt, das wir am ersten Strand gemütlich unter Palmen und mit Blick auf’s Wasser verspeist haben. Ratet, was wir dann gemacht haben: im Sand sitzen, Wellen gucken, Muscheln sammeln. Weiter zum nächsten Strand, dort das gleiche Spiel, danach einen Cheesecake essen (Frank) bzw. eine Cola trinken (ich). Letzteres war nicht geplant, aber ein blödes Kind hat meine extra gekaufte Flasche vom Handtuch genommen, als wir gerade unterwegs waren. Als wir zurückkamen, war er gerade dabei, die Muscheln zu gießen und seinen Bruder (?) nasszuspritzen. Prima… hätte ich mir als Kind nicht mal im Traum einfallen lassen. Und noch ein dritter Programmpunkt heute, ich wollte unbedingt zum Gamble Plantation State Park, um das Haus eines ehemaligen Zuckerrohrplantagenbesitzers anzusehen. Letzte Führung war um 4h, wir waren pünktlich zehn Minuten vorher da, um dann festzustellen, dass heute irgendein besonderes Fest dort war (anscheinend stand auch irgendwas darüber in der Zeitung) und die Führungen waren a) kostenlos und b) kontinuierlich ohne feste Anfangszeiten. In jedem Raum stand eine in Kleidern des 19.Jh. gewandete Dame für Erklärungen bereit. Das waren alles Mitglieder der United Daughters of the Confederation. Kommen immer mal wieder in Filmen oder Serien vor, ein konservativer Verein, der sich um die Erhaltung historischer Gebäude und Gedenkstellen kümmert. Gemeinsam mit dem National Park Service unterhalten sie diesen State Park: dem NPS gehört das Land und das Gebäude, den UDC das gesamte Inventar. War zwar nur eine relativ kurze Führung, schließlich ist es auch nur eine kleine Plantage gewesen, aber sehr interessant gemacht und definitiv ansprechender als so manches deutsche Schloss… hier könnte man sich schon vorstellen zu wohnen. Und wie immer kam dann noch die Weiterfahrt zum nächsten Hotel, diesmal etwas oberhalb von St. Petersburg. Abendessen gab es wieder im Outback Steakhouse, unsere Kellnerin war ebenfalls glutenintolerant und wusste daher super Bescheid. Da konnte ich mit gutem Gewissen unglaublich gute Rippchen essen, und sogar einen gf-Nachtisch mit Brownie und Eis gab es. Damit steht das Menü für Mittwoch schon mal fest, dann sind wir in Orlando und da gibt es gleich mehrere Outbacks…

Extreme shelling

Amerikanisch ist schon eine nette Sprache – man kann aus fast jedem Substantiv ein Verb machen. Canoeing und cayaking hatten wir schon, nun auch noch shelling, also Muscheln sammeln. Wir sind ja jetzt an der Golfküste, und aufgrund der Strömung und der nicht so starken Wellen (oder was auch immer noch der Grund sein mag) gibt es hier gaaaaanz viele Muscheln, ich glaube ich habe was von 120 Arten gelesen. Ganz so viele verschiedene haben wir dann doch nicht gefunden, aber schon einige.
Wir waren dazu auf Sanibel, einer nur 12 Meilen langen Insel, ganz ruhig, keine hohen Gebäude und vor allem eine ganze Reihe öffenlich zugänglicher Strände. Ich hatte vorher schon eine Liste der besten Shelling-Strände (sorry, das heißt wirklich so!) ausgedruckt und so haben wir gleich mit einem der besten angefangen: Lighthouse Beach.

Der liegt ganz im Süden der Insel, keine Bebauung außer dem namensgebenden Leuchtturm, ein Streifen Grün da, wo bei uns die Dünen mit Gras wären, hier ist das irgendwas tropisches. Und dann nur noch flacher, langer, breiter Strand. Und Muscheln. Leider waren wir wohl etwas spät dran, die besten waren schon weg. „Normale“ weiße wären noch haufenweise dagewesen, aber die wollte ich nicht. Ich wollte so schneckenförmige, klein oder größer, spitz oder rund. Habe auch einige davon gefunden, nur die großen nicht mehr. Oder jedenfalls keine vollständigen, Bruchstücke lagen noch genug rum. Die größten Stücke waren länger als Franks Hand, also müssen irgendwo (irgendwann?) auch solche Muscheln zu finden sein. Wir versuchen das morgen nochmal…
Nördlich von Sanibel liegt noch eine weitere kleine Insel, die nur von Sanibel aus zu erreichen ist: Captiva. Total ruhig, im Wesentlichen eine Straße, die von einem zum anderen Ende führt. Dann noch eine „Hauptstraße“ mit Geschäften und Restaurants, insgesamt bestimmt 10 oder so. Also überschaubar. Die Häuser sehen alle so aus, als würden nicht die Ärmsten hier wohnen. Sehr gepflegt, mit einem halben botanischen Garten schon im Vorgarten, auf der Rückseite in der Regel direkt das Meer (also der Golf, um genau zu sein). Der Strand dort war ebenfalls super, ganz ruhig, kaum Häuser zu sehen, als wir ankamen, wurden gerade Stühle für eine Hochzeit aufgebaut. Ist bestimmt eine tolle Kulisse, wenn es nicht gerade anfängt zu regnen… wir haben noch unser Picknick essen können – inklusive Sturzflugeinlage einer Möwe, die mir den Rest meines Wraps aus der Hand geklaut hat! – und ein paar Muscheln sammeln, dann fing es an zu regnen. Also zurück zum Auto, dann regnete es stärker, also zurück nach Sanibel.
Nun liegt das ja nur 5-10 Meilen (je nachdem, welchen Punkt auf Sanibel man anpeilt) entfernt, das ist wettertechnisch ja nicht sooo eine Hilfe. Wir hatten noch einen tollen Strand auf der Liste, den wir sehen wollten. Auch wieder einer für’s Shelling natürlich… Auf dem Parkplatz tröpfelte es noch, mir egal, ich wollte ihn wenigstens kurz sehen. Also bin ich erstmal alleine losgestiefelt, Frank kam dann später nach, natürlich genau dann, als ich schon fast wieder am Auto war. Egal, zurück und nochmal den ganzen Weg. Hier haben wir übrigens den ersten Gator (vielleicht war’s auch ein Krokodil, den Unterschied kennen wir jetzt, aber man konnte es aus der Ferne nicht sehen) außerhalb der Naturschutzgebiete gesehen, einer schwamm in dem Seitenarm des Golfs rum, den man auf dem Weg zum Strand überquert… war aber weit genug weg. Und wir auf einer Brücke, das war auch ganz beruhigend. Am Strand dann das gleiche Spiel wie auf Captiva – ein paar Meter laufen, schon fängt es an zu regnen. Diesmal aber gleich richtig, also schnell zurück zum Auto.

Das war’s dann mit Sanibel/Captiva für dieses Mal, tolle Inseln, tolle Strände, hier würden wir sofort wieder hinfahren, aber bei Regen hilft heute alles nix. Noch einen Kaffee für unterwegs, dann haben wir die Inseln über die Brücke wieder verlassen.
Gut, dass wir einen relativ wetterunabhängigen Programmpunkt auf  der Liste hatten: Das Edison Ford Winter Estate Museum in Fort Myers. Hier hat Thomas Alva Edison (der mit dem Telefon und unglaublich vielen anderen Patenten) seine Winter verbracht und geforscht, außerdem hat Henry Ford (der mit Edison eng befreundet war und auch zusammengearbeitet hat) hier zwei Wochen im Jahr verbracht und dafür ein Haus gekauft. Beide kann man besichtigen, übrigens eine nette Idee: Zur Weihnachtszeit dekorieren verschiedene Freiwillige, meist lokale Firmen oder Organisationen, die einzelnen Räume der Häuser. Bestimmt 20 Weihnachtsbäume, plus Strümpfe am Kamin und so… schöne Idee!

Außerdem sieht man das ehemalige Labor, die Garage (mit alten Ford-Modellen) und ein interessantes Museum, das Leben und Arbeit der beiden zeigt. Glühbirne kennt man ja und kann sie im besten Fall sogar Edison zuordnen, aber was sonst noch? Batteriebetriebene Autos (in den 1920ern!), Stromgeneratoren für den Privatgebrauch, Tonaufzeichnungsgeräte und daraus weiterentwickelt die ersten „Diktiergeräte“ mit Wachs-Walzen, die bespielt und später wieder „shaved“ = geglättet wurden, die ersten Filmkameras, aber auch diverse Patente zur Verarbeitung von Eisenerz oder eine Möbelserie für Kleinkinder… so unterschiedlich waren die Ausstellungsstücke und somit die Themen, mit denen sich Edison beschäftigt hat.

Und vor dem Museum noch ein ganz besonderes „Ausstellungsstück“: Edison hatte von einem Freund einen kleinen Ficus-Setzling bekommen, der inzwischen etwas gewachsen ist – man kann nicht mehr sehen, wo Stamm und wo Ast ist, beziehungsweise in welcher Reihenfolge da was (zusammen-)gewachsen ist. Faszinierend… fast noch schöner im Dunkeln mit Beleuchtung.

Danach sind wir nur noch zum nächsten Hotel (ca. 80 Meilen nördlich, in der Nähe von St. Petersburg) gefahren und haben unterwegs schnell was gegessen. Bis morgen!

Airboat & noch mehr Gators

Nachdem wir gestern länger in den Everglades gebraucht haben, als wir ursprünglich geplant hatten, ging es heute weiter mit dem gestrigen Programm: Airboat fahren, weitere Teile der Everglades und dann Big Cypress National Preserve.

Da der Everglades Nationalpark fast die gesamte Spitze Floridas umfasst, fährt man von einem Teil in den anderen ganz schön lange. Gestern waren wir am östlichen Eingang reingefahren und der Straße Richtung Südwesten gefolgt, heute ging es dann am nördlichen Rand des Parks entlang. Dort liegt direkt angrenzend die (der? das?) Big Cypress National Preserve, ein Schutzgebiet mit etwas schwächeren Auflagen als im Nationalpark selbst, die Landschaft ist aber im Prinzip die Gleiche. Also viel Wasser, fast immer grasbedeckt, kleinere Bauminseln auf minimal höher liegenden Inselchen (Hammocks). Eigentlich ist nämlich das gesamte Gebiet der Everglades ein bis zu 60km breiter Fluss mit sehr geringer Tiefe und Fließgeschwindigkeit (siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Everglades).

Auf der Straße von der Ost- zur Westküste liegen zahlreiche Anbieter von Airboat-Touren. Das sind die mit den großen Propellern hinten, die auch im extrem niedrigen Wasser fahren können. So eine Tour haben wir also gemacht – zum Glück mit einer sehr kleinen Gruppe, so dass man alles gut sehen konnte.

Und zu sehen gab es einiges: die verschiedenen Pflanzen (mal dominieren diverse Gräser im Wasser, dann wieder Mangroven oder richtige Bäume, die auf den Hammocks wachsen), zahlreiche reiherähnliche Vögel und natürlich Gators. Diesmal ganz aus der Nähe, vielleicht einen halben Meter neben dem Boot. Die Viecher sind neugierig und schauen sich das Boot ohne Scheu an. Angreifen würden sie aber wohl nicht, weil das Boot für sie wie ein riesiger Gegner aussieht und nicht wie Blechschale mit Menschen = Futter – und sie greifen nichts an, was größer ist als sie. Interessante Info unseres Tourguides: Auch wenn man oft nur die Nase und die Augen eines Gators sieht, kann man die Größe ganz gut abschätzen. Die Länge von Nasenspitze bis zu den Augen in Inches entspricht ungefähr der Gesamtlänge in Fuß. Nun muss man das noch in Zentimeter und Meter umrechnen, aber es gibt schon mal eine ungefähre Idee.

Die Tour hat ungefähr 45min gedauert, anschließend gab es am Anleger noch eine Runde Reptilienkunde. Ein anderer Guide hat uns diverse Schildkrötenarten gezeigt und erklärt, die hier leben, außerdem Schlangen und einen Baby-Gator von ungefähr einem Jahr – niedlich, ungefähr Armlang von Nase bis Schwanzspitze. Außerdem konnten wir uns mit einem etwas älteren Gator (3 Jahre) fotografieren lassen.

Weiter ging’s auf der Straße nach Westen, die übrigens ewig nur geradeaus geht. Meilenweit, wie man sich das in Amerika so vorstellt, aber z.B. im Westen eher seltener hat. Unser nächstes Ziel war die Loop Road der/des Big Cypress National Preserve. Die führt durch das Schutzgebiet, nicht touristisch erschlossen, aber links und rechts sieht man theoretisch immer mal Gators. Wir hatten relativ wenig Glück, aber haben doch an einer Stelle drei Mini-Gators gesehen, ungefähr 1 Jahr alt würden wir vermuten. Durch Überschwemmung ist ein Teil der Straße zerstört, daher mussten wir am Ende umdrehen und zurückfahren.

Nächster Programmpunkt war das Picknick am Kirby Storter Roadside Park (ebenfalls Big Cypress) als spätes Mittagessen und dann ein weiterer Trail auf einem 1,6km langen Holzsteg mitten durch den Sumpf. Der sieht hier so aus, wie man sich das in einem grusligen Film vorstellen würde, mit dunklem Wasser, abgebrochenen Bäumen, modrigem Geruch, von den Ästen herabhängenden Pflanzen… sehr faszinierend. Leider gab es nicht sonderlich viele Tiere zu sehen, aber immerhin haben wir eine relativ große Schlange (schlafend) gesehen, ein Deer (Reh), eine große Schildkröte (vermutlich eine Schnappschildkröte) und einen ca. 1m langen Alligator. Bekommt trotzdem ein „gefällt uns“, die ganze Atmosphäre war einfach einmalig.

Und weiter auf dem Tamiami Trail, so heißt die Ost-West-Verbindung. Und hier kamen dann endlich die ganzen Gators. Während in den Parks und Preserves irgendwie nicht viel los war, lagen sie hier dann fast aufeinander, die Alligatoren. Kleine, große, dicke, dünne, mal im Wasser, viele aber an Land, einige interessanterweise mit dem Kopf im Wasser und dem Rest an Land. Wir haben erst ein paar Mal auf dem Seitenstreifen angehalten und fotografiert, dann sind wir einmal in eine Campingplatzzufahrt gefahren und ausgestiegen, um besser zu sehen.

Da wir nun 1,5 Tage lang Sumpf-Landschaften gesehen haben, haben wir auf den letzten (westlichsten) Teil der Everglades verzichtet und sind weiter geradeaus gefahren nach Marco Island. Das war in einem Florida-Forum bei den Geheimtipps erwähnt worden und stand außerdem in unserem Reiseführer – warum wissen wir nicht so genau. Angeblich sind dort tolle Strände, das mag auch sein, nur kommt man nicht hin. Alles zugebaut mit Hotels oder Appartementhäusern oder „private Commnunities“, ohne Zugang zum Strand. Nach langem Suchen (und wir sind die gesamte Insel abgefahren) haben wir zwei Stellen gefunden, die öffentlich waren, aber dort hätte man 8$ für’s Parken zahlen müssen, und das war uns zuviel, da der Strand bei Sonnenuntergang geschlossen wird und es schon 5 Uhr war. Also war das ein Abstecher, der völlig umsonst war… schade.

Eine weitere Stunde waren wir noch unterwegs zu unserem Hotel in Fort Myers Beach, dann war unser Tagespensum geschafft. Aufgrund akuter Unlust haben wir uns dann nicht mehr weiter wegbewegt, sondern direkt neben dem Hotel einen Burger gegessen. Ohne dass wir das beim Buchen wussten, haben wir ein Days Inn mit eigener Heißwasser-Quelle erwischt, also sind wir nach dem Essen noch eine Runde in den Pool gegangen (erst den mit dem etwas schwefeligen Wasser, dann in den normalen Pool, der dann auch eine Tiefe hatte, bei der man ohne Knieverletzungen schwimmen konnte). Und nun gucken wir Harry Potter und ich tippsel hier vor mich hin… Fortsetzung folgt.

Meet the gators

Heute gab’s endlich die ersten freilaufenden Gators, also Alligatoren, aber erst beim zweiten Programmpunkt. Zunächst stand was anderes auf dem Plan: zurück auf die Keys, nach Key Largo (die erste Insel vom Festland aus gesehen) in den John Pennekamp State Park. Das ist einer der wenigen Parks, deren wesentliche Teile unter Wasser liegen – das drittgrößte Korallenriff der Welt nämlich. Dort wollten wir schnorcheln und Fische gucken. Wir sind extra früh aufgestanden, um um 8h dort zu sein. Haben wir auch geschafft, und dann erzählt uns die Dame am Schnorchel-Schalter erst mal was

  • über’s Wetter: Wassertemperatur, Wind etc. – alles nicht so schlimm
  • über die Wellen: so hoch, dass man zumindest immer schwimmen muss und sich nicht einfach treiben lassen kann? Ok, man kann ja zwischendurch auf’s Schiff und ausruhen
  • über die Viecher, die heute in der Nähe des Riffs unterwegs sind: irgendeine Jellyfishsorte und „man of war“, zu deutsch Portugiesische Galeere. Die kam mal in irgendeinem TKKG-Buch vor, das sind die mit den klebrigen Fäden, die höllisch weh tun und einem Menschen ernsthaften Schaden zufügen können, wenn man sich so richtig drin verfängt.

Und damit war für mich das Thema gegessen, das brauche ich nicht. Entweder schnorcheln wir noch mal irgendwoanders in diesem Urlaub, oder wir haben einen dringenden Grund, hier noch mal hinzufahren 🙂
Erstmal gab’s dann Frühstück, und zwar hier:

Als zusätzlichen Programmpunkt hatten wir eh schon überlegt, noch Kajak zu fahren, es gibt im State Park nette Strecken durch die Mangroven. Also haben wir das vorgezogen, da gibt es weniger fiese Viecher und ganz so nass wird man auch nicht. So sind wir dann gut eine Stunde dort umhergepaddelt, haben uns Mangroven aus der Nähe angesehen, ein paar Fische, die Ruhe (außer der fernen Straße hört man hier gar nichts) und die Sonne genossen, die inzwischen rausgekommen war.


(es war gar nicht so grau, das liegt an der Unterwasserkamera!)
Von hier aus sind wir gegen Mittag dann wieder Richtung Norden gefahren, zurück über Homestead, das nicht nur „Gateway to the Keys“ ist, sondern auch Ausgangspunkt zum Everglades National Park. Home of the gators, sozusagen. Und da wollten wir heute hin. Bei einem kurzen Zwischenstopp beim Visitor Center haben wir uns vom Park Ranger beraten lassen, welche Trails und Zwischenstopps am besten sind – die wissen das einfach am besten, wie viel man in welcher Zeit schafft. Er hat uns auf der Karte ein paar Trails eingekringelt, die haben wir dann im Anschluss brav abgeklappert. Ist schon komisch, hier macht man diverse Trails an einem Tag, im Südwesten ist alleine der Weg vom Parkplatz zum Trailhead (also dem Beginn des Wegs) so lang, wie hier der Trail. Manche waren nur 450m, andere 600 oder 800m… da schafft man schon mehrere in relativ kurzer Zeit. Man besucht verschiedene Bereiche der Everglades: sumpfiges Grasland, Pinienwälder, eher palmenlastige Gebiete, dichten Urwald mit Mahagonibäumen, einen See mit Mangroven – alles da.
(Bilder folgen, das Wifi hat mich mal wieder verlassen)
Auch Gators, aber erst mal nur drei – einer halb versteckt im Gebüsch, einer schlafend direkt am Weg, der dritte schwamm touristenfreundlich neben dem Weg durch einen Teich und ließ sich fotografieren.

Ansonsten gibt es hier unzählige Vögel: viele Anhingas, deren Federn nicht wasserabweisend sind und die daher a) besser tauchen können und dabei nur mit dem Kopf zum Luftholen hochkommen, der Rest bleibt unten, und die b) anschließend mit ausgebreiteten Flügeln zum Trocknen auf Bäumen sitzen, weil das Wasser ja nicht abperlt wie bei anderen Vögeln. Außerdem laufen und fliegen hier ziemlich hässliche schwarze Vögel rum, die sogar Autos demolieren können, wenn man den Schildern glaubt.

Am Ende der Straße, nach ca. 35 Meilen im Park, liegt noch mal ein Visitor Center und hier werden offensichtlich Boote vermietet und Touren angeboten, aber erstens hatten wir das ja schon vormittags, und zweitens waren wir eh zu spät. Für eine Cola  mit Blick auf die Mini-Keys bei Sonnenuntergang hat es noch gereicht, danach sind wir die ganze Strecke zurück anch Homestead in einem Rutsch gefahren.
Nach kurzer Duschpause sind wir zum Abendessen aufgebrochen, Frank wollte schon seit Boston, also immerhin seit 2004, mal zum Red Lobster. Das ist eine Art Maredo für Seafood, also kein Schnellimbiss, aber doch eine Kette. Dort gab’s für mich garlic-grilled scampis und snow crab legs mit Kartoffelpüree und Krautsalat (alles phantastisch) und für Frank Hummer-Hintern (seine Worte!), garlic grilled scampis und jumbo scampis am Spieß, dazu Backkartoffel und Gemüse. Sehr lecker, wenn auch schwer zu essen. Immerhin hatte ich unbewusst was jahreszeitliches gewählt – also werkzeugtechnisch, man isst die Snowcrabs nämlich mit Hilfe eines Nussknackers 🙂
Tag vorbei, morgen geht’s weiter…

The ER experience

Heute hat Frank sich was ganz besonderes überlegt, er wollte mal sehen, wie wirklichkeitsgetreu amerikanische Fernsehserien so sind. Leider war George Clooney nicht da, war wohl mal schnell einen Kaffee holen, Dr. House war auch gerade aus, aber einige Scrubs* hat er doch gesehen. Damit es dann hier auch noch mal steht (ich musste es im gestrigen Beitrag ergänzen): Frank ist beim Jetskifahren auf 51mph bzw 80km/h gekommen, nur sein Knie fand das nicht so witzig, vor allem beim Aufprall in einem Wellental. Also wollte Frank im Krankenhaus vorbei, weil es zwar nicht so übermäßig weh tat, aber er schlecht laufen konnte – mit jahrelanger Knieprobleme-Erfahrung wollte er das mal kurz punktieren lassen, um die überflüssige Flüssigkeit loszuwerden.
Gesagt, getan, ab ins Krankenhaus in den Emergency Room. Sobald man einwilligt, dass man die Behandlung sofort per Kreditkarte bezahlt, ist alles gut. Und alles so, wie man es aus dem TV kennt:

  • die oben genannten bunten Uniformen des Personals,
  • der persönliche Rollstuhlfahrer („Hi, my name is Tim and I am your personal driver“)
  • die Karte mit 10 Smilies von “ganz traurig” bis “ganz fröhlich”, um die Stärke der Schmerzen zu beschreiben
  • regelmäßiger Getränkeservice
  • Behandlung in mit Vorhängen abgetrennten Kabinen, so dass man z.B. die Geschichte des Jungen mitbekommt, dem es soo schlecht geht – bis sich dann herausstellt, dass er einen schwierigen Test in der Schule hätte schreiben sollen.

Die Ärztin wollte dann doch nicht punktieren, sondern hat das Knie nur bandagiert und wollte Frank unbedingt Schmerzmittel verschreiben. Alles in allem hat der Spaß ca. 2,5h gedauert.
Da ich sowieso nicht mit in den Behandlungsbereich durfte, habe ich mich nach ein paar Minuten Wartezeit abgesetzt. Erst habe ich für unser späteres Picknick eingekauft und außerdem unseren Vorrat an Wasser und Lemonade (nicht Limonade, also Fanta, sondern nur leicht gesüßter Zitronensaft mit Wasser) aufgefüllt. Dann habe ich mir einen der drei wesentlichen öffentlichen Strände von Key West angesehen und dort im Schatten einer Palme den tollen Blick auf Sand, Meer und ein paar Boote genossen. Man sieht schon, dass die Keys sogar noch südlicher als viele karibische Inseln (die Bahamas zum Beispiel) liegen – auch wenn es geografisch glaube ich nicht dazu gehört, ist hier doch alles so, wie ich mir die Karibik vorstelle. Paradies!

Anschließend habe ich noch schnell das Hotel für heute Abend gebucht und die Schnorcheltour für morgen reserviert. Danach bin ich zum Florida Keys Medial Center gefahren und habe Frank eingesammelt. Und gleich wieder zurück in die andere Richtung, nämlich nach Key West (das Krankenhaus ist schon auf der nächsten Insel), für die letzten Dinge auf unserer ToDoListe. Mittagessen war schon länger überfällig, und seit unserem ausgedehnten Frühstück bei Angelina hatte sich doch ein kleines Hüngerchen bemerkbar gemacht. Unser Picknickplatz lag diesmal im Fort Zachary State Park, an einem der anderen schönen Strände. In einem Pinienwald stehen mit ausreichend Abstand zueinander zahlreiche Picknicktische und –bänke, jeder zweite oder so mit eigenem Grill. Wir hatten allerdings nur Obst und Waffeln, also nichts für’s Barbecue. Der Blick ist einmalig, inklusive auslaufendem Kreuzfahrtschiff und natürlich weißem Strand und Palmen.


Nun noch schnell ins Zentrum von Key West und ein paar Souvenir-T-Shirts und für Frank ein Stück Key Lime Pie (besondere Spezialität hier) kaufen, dann mussten wir uns leider auf den Weg nach Norden machen. Wir haben aber vorher noch den Milemarker Null fotografiert, den Beginn der US1, die die ganze Küste hochgeht.

Auf den Florida Keys wird übrigens mit wenigen Ausnahmen auf den großen Keys fast jede Adresse mit dem Milemarker und der Angabe Bayfront oder Oceanfront angegeben, also keine Straßennamen und Hausnummern. Da die meisten Keys sehr schmal sind, reicht das dann auch aus – das Outback Steakhouse, in dem wir abends gegessen haben, findet man z.B. bei MM80 Oceanfront, also auf der Südseite Richtung offenem Meer. Bayside wäre die dem Festland zugewandte nördliche Seite.
Unterwegs ist nicht viel passiert, zum Sonnenuntergang haben wir kurz auf einem nicht namentlich bekannten (also wir haben uns den Namen nicht gemerkt) Key angehalten und sind von fiesen kleine Beiß-Fliegen fast aufgefressen worden. Ansonsten sind wir so schnell wie möglich die ziemlich genau 80 Meilen bis zum o.g. Restaurant gefahren. Das Outback Steakhouse kennen wir schon aus dem Westen, dort gibt es die berühmte Blooming Onion, eine mutierte Riesenzwiebel, die in leckerem Teig frittiert wird. Leider nicht glutenfrei, also nichts mehr für mich. Dieses spezielle Outback hat einen fantastischen Außenbereich, heißt hier überall Tiki-Bar, also Holzdeck, Fackeln, palmgedecktes Barhäuschen… und natürlich direkt am Wasser, mit kleinem Strand davor. Konnte man leider nicht mehr viel von sehen, es war ja schon dunkel, aber trotzdem war es sehr idyllisch. Und mit meinem Wunsch „Burger ohne Brötchen“ konnten sie auch gut leben, da sind amerikanische Kellner ja sehr serviceorientiert. Frank bekam wunschgemäß Barbecue-Rippchen, die von selbst vom Knochen fielen, und ein leckeres Steak mit Baked Potatoe. Das können die Amis einfach besser als die Deutschen..
Nach dem Essen kam nicht mehr viel, nur noch eine Stunde Fahrt bis zum Hotel in Homestead, wieder das Super8, sogar das gleiche Zimmer. Musste dann noch kurz einkaufen für morgen, weil wir früh los müssen und das nicht dann noch erledigen wollen – auch wenn der Walmart hier von 9am bis 9am auf hat, also rund um die Uhr (und trotzdem haben sie ein Schild mit Öffnungszeiten!).
* Scrubs sind übrigens nicht die Personen, sondern die Kleidung von Ärzten und Krankenschwestern in diversen wunderhübschen Farben

Key West – ein Traum

Wunderschöner Tag, Key West ist ein unglaublich schöner Ort. Ist ab sofort auf meiner absoluten Lieblingsorteliste ganz weit oben!
Erstmal haben wir gemütlich gefrühstückt – Highlight für Frank waren die selbstgemachten Cinnamon Rolls, noch warm aus dem Ofen. Ich hatte gf-Brötchen gekauft, die waren auch erstaunlich gut. Dazu gab es auf dem Frühstücksbuffet noch Bagel, Toast, div. Marmeladen und Jellys, Peanut Butter, Creamcheese, Obst, Joghurt, Müsli, Eier. Und Kaffee und Orangensaft. Wir haben ca. 2 Stunden dort gesessen, Frank hat das ja schon bei Facebook gepostet – kleiner Garten/Innenhof, mit Pool und Palmen und wunderbarem Wetter. Wir haben den Tag bewusst langsam angehen lassen, bloß keine Hektik. Lesen, Reisebericht schreiben, Katzen bespielen, ein bisschen googeln, was man noch so machen könnte…

Nach gründlichem Studium von Tripadvisor.de und diverser Flyer und Couponheftchen (wie immer gibt es für alles Ermäßigungen, man muss sie nur möglichst finden, bevor man irgendwo hingeht oder irgendwas bucht) haben wir uns für einen Anbieter von Jetski-Touren entschieden und uns telefonisch anmelden lassen. Damit gab es dann das zweite Ticket 50% billiger, somit haben wir pro Person 100$ bezahlt. Na, ist das jetzt eine schöne Textaufgabe „Gleichung mit einer Unbekannten für Anfänger“? Ist ja auch egal, das war es auf jeden Fall wert. Wir sind erstmal gemütlich zum Ausgangspunkt der Tour gebummelt und haben nebenbei ein Foto vom Southernmost Point, also dem südlichsten Punkt der Festland-USA, gemacht. Ist ein bisschen gemogelt, die Navy hat ein paar Meter weiter noch ein bisschen Land aufgeschüttet, das ist jetzt noch südlicher, aber da dürfen die Touristen ja nicht hin und fotografieren 😉

Am Strand haben wir erstmal diverse Zettel unterschrieben, dass wir usn darüber im Klaren sind, dass wir durch Sonne, Wind, Insekten und Naturgewalten verletzt werden könnten blablabla. Das macht man hier bei jeder Kleinigkeit, ständig „hier unterschreiben und da die Initialen und dort der Name in Druckbuchstaben“… Wenn’s sie glücklich macht, bitte. Pünktlich um 12h ging es dann los mit der Einweisung und der Verteilung der Schwimmwesten. Ab auf die Jetskis und erstmal ein paar Minuten locker üben, dann ging es zu acht hinter dem Guide her, wie die Küken hinter der Mama-Ente. Allerdings nicht mit 8 Jetskis, zwei Pärchen hatten die Doppelbesetzung gewählt. Würde ich nie machen, erstens macht es zu viel Spaß, selbst zu fahren, und zweitens würde ich vermutlich sterben oder Frank runterschubsen, wenn ich mit ihm mitfahren müsste…

Ich brauchte so ungefähr eine halbe Stunde, bis ich mich an das Ding gewöhnt hatte – bis dahin fing es dauernd an zu schlingern und ich hatte Sorge, runterzufallen. Wäre ja nicht sooo schlimm, aber ich hatte Angst um die Brille. Wollte erst ohne fahren, aber dann hätte ich ja nix gesehen. Auch doof. Die Kopfbedeckung war kreativ am Schlüsselband befestigt, an einem zweiten dann die Kamera (unterwassertauglich heißt auch überwassertauglich, sehr praktisch auf dem Jetski) und das ganze um den Hals gehängt und vorne in die Schwimmweste gestopft. Nach der Eingewöhnung konnte ich dann endlich mit dem Rest der Gruppe mithalten, Frank war immer der Schnellste, direkt hinter dem Guide.


Habe nicht dauernd auf den Tacho geguckt, so um die 40 mph (65 km/h) war das Höchste, was ich gesehen habe. Wir sind in zwei Stunden einmal komplett um Key West drumherum gefahren, inklusive 15min. Schwimmen/freies Fahren ohne Gänsemarsch. Erst ging es am Mallory Square und dem Hafen (mit Kreuzfahrtschiff und Super-Yacht) vorbei, dann an einem Navy-Stützpunkt. Ab hier ungefähr waren wir nicht mehr im offenen Ozean, sondern im Golf von Mexiko. Später mussten wir bei der Kanaldurchfahrt zwischen Key West und Stock Island auf Standgas zurückschalten, hier ist Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben. Und dann ging es wieder auf den Atlatik, mit mehr Wellen und Spaß, inzwischen machte mir das ja nicht mehr so viel aus, wenn der Jetski mal ein bisschen hüpfte…

Nachdem die Tour vorbei war, sind wir erst mal noch ein bisschen dort am Strand geschwommen, wenn schon mal jemand auf unseren ganzen Kram aufpasst. Dann kurz entsalzen, ein paar Dinge für den Lunch kaufen und an einen kleinen Strand laufen – sehr idyllisch. Palmen und so, ich erwähnte das sicher schon.
Nach kurzer Umzieh-Pause im Hotel und einer Fotorunde in und um Angelinas Guesthouse sind wir dann Richtung Lighthouse gestartet und auch brav hochgeklettert – trotz Knieschmerzen bei Frank und Höhenangst auf nicht-geschlossenen Treppen bei Nicola. Gaaanz fies, aber der Blick von oben über die Insel ist toll. So viel grün, dazwischen die kleinen Häuser und drumherum das blaue Meer.

Dann war es auch schon wieder Zeit, sich zum Mallory Square aufzumachen – schließlich drohte die Sonne auch heute wieder unterzugehen, und das an einem wolkenlosen Himmel. Wir haben uns einen Platz in der ersten Reihe gesichert und füßebaumelnd Schiffe, Touristen und Street Performer beobachtet. Da ist echt was los, und das jeden Abend.

Heute konnte man toll fotografieren, von unserem Platz aus hatten wir dekorativ einen Betonblock mit Möwen im Bild, macht sich gut als Silhouette vor rot-gelbem Himmel!


Als das letzte bisschen Sonne im Meer versunken war, haben alle geklatscht, dann gingen die Performances weiter (bei uns ein Jongleur und danach ein Enfesselungskünstler, ich weiß nicht, was weiter unten auf dem Platz noch los war). Als sich die Menge langsam zerstreute, sind auch wir Richtung Historic Seaport aufgebrochen und haben uns dort einen Platz für’s Abendessen gesucht. Lecker Spinatsalat mit Früchten und Hühnchen bzw. gefüllte Shrimps mit Reis und Gemüse… mit Blick auf den Hafen, in einem rundum offenen Restaurant, also quasi draußen.
Und zum Abschluss noch ein bisschen in Angelinas Garten, Reisebericht tippen, neue Ideen für morgen sammeln. Ach ja, wir haben etwas umdisponiert, wir bleiben morgen noch bis spätmittags hier in Key West, die Schnorcheltour wird auf übermorgen früh verschoben, eventuell muss dann der Freizeitpark-Besuch in Orlando ausfallen, aber da hatten wir uns eh noch nicht so richtig entschieden (@Herr Weymann: Animal Kingdom ist ganz weit vorne, wenn wir es denn zeitlich schaffen!). Morgen früh werden wir erst mal wieder gemütlich frühstücken, um 11h auschecken, hier noch ein paar Dinge erledigen (ein State Park mit Strand, ein Strand ohne State Park, ein T-Shirt kaufen, so was halt) und dann irgendwann losfahren.

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