The ER experience

Heute hat Frank sich was ganz besonderes überlegt, er wollte mal sehen, wie wirklichkeitsgetreu amerikanische Fernsehserien so sind. Leider war George Clooney nicht da, war wohl mal schnell einen Kaffee holen, Dr. House war auch gerade aus, aber einige Scrubs* hat er doch gesehen. Damit es dann hier auch noch mal steht (ich musste es im gestrigen Beitrag ergänzen): Frank ist beim Jetskifahren auf 51mph bzw 80km/h gekommen, nur sein Knie fand das nicht so witzig, vor allem beim Aufprall in einem Wellental. Also wollte Frank im Krankenhaus vorbei, weil es zwar nicht so übermäßig weh tat, aber er schlecht laufen konnte – mit jahrelanger Knieprobleme-Erfahrung wollte er das mal kurz punktieren lassen, um die überflüssige Flüssigkeit loszuwerden.

Gesagt, getan, ab ins Krankenhaus in den Emergency Room. Sobald man einwilligt, dass man die Behandlung sofort per Kreditkarte bezahlt, ist alles gut. Und alles so, wie man es aus dem TV kennt:

  • die oben genannten bunten Uniformen des Personals,
  • der persönliche Rollstuhlfahrer („Hi, my name is Tim and I am your personal driver“)
  • die Karte mit 10 Smilies von “ganz traurig” bis “ganz fröhlich”, um die Stärke der Schmerzen zu beschreiben
  • regelmäßiger Getränkeservice
  • Behandlung in mit Vorhängen abgetrennten Kabinen, so dass man z.B. die Geschichte des Jungen mitbekommt, dem es soo schlecht geht – bis sich dann herausstellt, dass er einen schwierigen Test in der Schule hätte schreiben sollen.

Die Ärztin wollte dann doch nicht punktieren, sondern hat das Knie nur bandagiert und wollte Frank unbedingt Schmerzmittel verschreiben. Alles in allem hat der Spaß ca. 2,5h gedauert.

Da ich sowieso nicht mit in den Behandlungsbereich durfte, habe ich mich nach ein paar Minuten Wartezeit abgesetzt. Erst habe ich für unser späteres Picknick eingekauft und außerdem unseren Vorrat an Wasser und Lemonade (nicht Limonade, also Fanta, sondern nur leicht gesüßter Zitronensaft mit Wasser) aufgefüllt. Dann habe ich mir einen der drei wesentlichen öffentlichen Strände von Key West angesehen und dort im Schatten einer Palme den tollen Blick auf Sand, Meer und ein paar Boote genossen. Man sieht schon, dass die Keys sogar noch südlicher als viele karibische Inseln (die Bahamas zum Beispiel) liegen – auch wenn es geografisch glaube ich nicht dazu gehört, ist hier doch alles so, wie ich mir die Karibik vorstelle. Paradies!

Anschließend habe ich noch schnell das Hotel für heute Abend gebucht und die Schnorcheltour für morgen reserviert. Danach bin ich zum Florida Keys Medial Center gefahren und habe Frank eingesammelt. Und gleich wieder zurück in die andere Richtung, nämlich nach Key West (das Krankenhaus ist schon auf der nächsten Insel), für die letzten Dinge auf unserer ToDoListe. Mittagessen war schon länger überfällig, und seit unserem ausgedehnten Frühstück bei Angelina hatte sich doch ein kleines Hüngerchen bemerkbar gemacht. Unser Picknickplatz lag diesmal im Fort Zachary State Park, an einem der anderen schönen Strände. In einem Pinienwald stehen mit ausreichend Abstand zueinander zahlreiche Picknicktische und –bänke, jeder zweite oder so mit eigenem Grill. Wir hatten allerdings nur Obst und Waffeln, also nichts für’s Barbecue. Der Blick ist einmalig, inklusive auslaufendem Kreuzfahrtschiff und natürlich weißem Strand und Palmen.

Nun noch schnell ins Zentrum von Key West und ein paar Souvenir-T-Shirts und für Frank ein Stück Key Lime Pie (besondere Spezialität hier) kaufen, dann mussten wir uns leider auf den Weg nach Norden machen. Wir haben aber vorher noch den Milemarker Null fotografiert, den Beginn der US1, die die ganze Küste hochgeht.

Auf den Florida Keys wird übrigens mit wenigen Ausnahmen auf den großen Keys fast jede Adresse mit dem Milemarker und der Angabe Bayfront oder Oceanfront angegeben, also keine Straßennamen und Hausnummern. Da die meisten Keys sehr schmal sind, reicht das dann auch aus – das Outback Steakhouse, in dem wir abends gegessen haben, findet man z.B. bei MM80 Oceanfront, also auf der Südseite Richtung offenem Meer. Bayside wäre die dem Festland zugewandte nördliche Seite.

Unterwegs ist nicht viel passiert, zum Sonnenuntergang haben wir kurz auf einem nicht namentlich bekannten (also wir haben uns den Namen nicht gemerkt) Key angehalten und sind von fiesen kleine Beiß-Fliegen fast aufgefressen worden. Ansonsten sind wir so schnell wie möglich die ziemlich genau 80 Meilen bis zum o.g. Restaurant gefahren. Das Outback Steakhouse kennen wir schon aus dem Westen, dort gibt es die berühmte Blooming Onion, eine mutierte Riesenzwiebel, die in leckerem Teig frittiert wird. Leider nicht glutenfrei, also nichts mehr für mich. Dieses spezielle Outback hat einen fantastischen Außenbereich, heißt hier überall Tiki-Bar, also Holzdeck, Fackeln, palmgedecktes Barhäuschen… und natürlich direkt am Wasser, mit kleinem Strand davor. Konnte man leider nicht mehr viel von sehen, es war ja schon dunkel, aber trotzdem war es sehr idyllisch. Und mit meinem Wunsch „Burger ohne Brötchen“ konnten sie auch gut leben, da sind amerikanische Kellner ja sehr serviceorientiert. Frank bekam wunschgemäß Barbecue-Rippchen, die von selbst vom Knochen fielen, und ein leckeres Steak mit Baked Potatoe. Das können die Amis einfach besser als die Deutschen..

Nach dem Essen kam nicht mehr viel, nur noch eine Stunde Fahrt bis zum Hotel in Homestead, wieder das Super8, sogar das gleiche Zimmer. Musste dann noch kurz einkaufen für morgen, weil wir früh los müssen und das nicht dann noch erledigen wollen – auch wenn der Walmart hier von 9am bis 9am auf hat, also rund um die Uhr (und trotzdem haben sie ein Schild mit Öffnungszeiten!).

* Scrubs sind übrigens nicht die Personen, sondern die Kleidung von Ärzten und Krankenschwestern in diversen wunderhübschen Farben

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