Tag 6 – Im Tal des Königs

Weil’s gestern so schön war im Nationalpark, machen wir heute gleich mit dem nächsten weiter. Genau genommen waren wir sogar gestern schon drin, im Kings Canyon NP, denn auf dem Weg aus dem Sequoia fährt man automatisch durch einen kleinen Zipfel durch. Aber das zählt nicht…

Der Tag fing grundsätzlich erstmal genauso an wie gestern, beziehungsweise wie fast alle Tage hier: Koffer packen, schnelles Frühstück, Koffer/Tüten/Taschen ins Auto laden, tanken und Kaffee holen und los. Heute haben wir uns für den etwas schnelleren Weg entschieden, ohne 1000 Serpentinen. Dafür haben wir diesmal kilometerweit Obstplantagen gesehen, Orangen, Limetten, Walnüsse, Äpfel oder Pfirsiche (jedenfalls rund und rot)…

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Das letzte Stück führt kontinuierlich bergauf, denn der Eingang zum Kings Canyon NP liegt relativ hoch. Bergauf und bergab war dann auch das Motto des Tages, unser Auto hat ordentlich Höhenmeter gemacht – oder nennt man das hier Höhenyard? Na, wie auch immer, der tiefste Punkt im NP, den wir per GPS ausgemacht haben, lag bei ca. 900m über NN, der höchste bei 2300. Und da sind wir zweimal rauf und runter, auf dem Hin- und Rückweg. Da lernt man (also Frau, sprich ich), auch mit einem Automatikgetriebe die Motorbremse zu nutzen. Freundlicherweise gibt es dafür sogar Anleitungen im Visitor-Center – „you engine will sound louder, but it will save your brakes“.

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Am Visitor Center ebenfalls Standard: Stempel abholen, nach den besten Trails fragen und Tipps holen, den kurzen Film gucken, ein Buch kaufen. Den Fehler, ein Buch total interessant zu finden, nicht zu kaufen und das dann den restlichen Urlaub zu bereuen und das Buch in JEDEM Visitor Center und Buchladen vergeblich zu suchen, mache ich nicht nochmal.

Der Ranger hat unsere Planung bestätigt – die tollsten Stellen hatten wir eh schon auf der Liste. Der Kings Canyon NP besteht aus zwei nicht miteinander verbundenen Teilen, einem direkt an den Seqjuoia angrenzenden und den eigentlichen Kings Canyon, den man erst nach 15 (?) Meilen durch einen National Forest erreicht.

In Teil 1 gibt es noch mal Sequoias zu sehen, unter anderem „General Grant“ – die wichtigsten Bäume sind hier alle nach Generälen benannt. Auf dem kurzen Trail dorthin kann man unter anderem auch durch einen hohlen Sequoia-Stamm laufen, da werden einem die Dimensionen nochmal so richtig bewusst – den Kopf einziehen muss da nicht mal Frank. Wie gestern schon roch es auch hier unglaublich toll nach Nadelwald, und die riesigen Bäume sind auch beim zweiten Mal sehr beeindruckend.

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Auf der Scenic Road sind wir dann weiter in Richtung Teil 2 gefahren. Das hieß: 50min am Stück bergab, dazwischen immer wieder anhalten und die grandiose Aussicht genießen. Praktisch hinter jeder Kurve (und davon gab’s einige) sah es wieder anders aus, die Felsen änderten Form und Farbe, die Vegetation änderte sich, irgendwann ziemlich weit unten kam dann der Kings River als Fotomotiv dazu.

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Besonders nett fanden wir die regelmäßigen Hinweisschilder, die bei 25 Grad doch etwas überflüssig wirkten:

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Erst relativ spät dann kam dieses hier, da macht es wenigstens Sinn:

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Unten angekommen haben wir zunächst einen kurzen Spaziergang zu den Roaring River Falls gemacht, einem Wasserfall an einem kleinen Flüsschen, das jetzt im Herbst weniger „roaring“ ist, sondern eher so dahinplätschert. Trotzdem nett…

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Anschließend sind wir der Straße weiter gefolgt und haben an den Zumwalt Meadows gepicknickt. Wieder die üblichen Wraps mit Pastrami, Salat, Salsa und Cheddar. Könnten wir jeden Tag essen, weil lecker und praktisch. Die allgegenwärtigen blauen Vögel, die ich immer noch nicht gegoogelt habe, waren auch da und wollten ihren Teil abhaben. Sie sind offensichtlich Menschen gewohnt und kommen sofort angeflogen, wenn man aufsteht. Denn da könnten ja ein paar Krümel liegengeblieben sein.

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Anschließend sind wir den Zumwalt Meadows Loop Trail gelaufen, ungefähr 90 Minuten waren wir unterwegs. Die Strecke führt sehr malerisch am Fluss entlang, dann über eine schmale Brücke, durch Wald, an den Meadows (der Wiese) entlang, zwischen den beiden fast senkrecht aufragenden Wänden des Canyons, der hier tiefer ist als der Grand Canyon. Dann über eine Geröllpassage und wieder durch Wald.

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Am Ende haben wir mit etwas Glück noch eine Ranger-geführte Gruppe getroffen, bzw. sie haben dort angehalten, wo wir es uns gerade auf den Bänken mit der tollen Aussicht bequem gemacht hatten. Schade, hätten wir das gewusst, wären wir von Anfang an mitgegangen, aber offensichtlich werden nicht ALLE Ranger-Talks im Visitorcenter in Teil 1 ausgehängt, sondern nur die, die auch dort stattfinden…

Vorletzter Punkt in diesem Nationalpark Cedar Grove Village, also Campingplatz plus Lodge plus kleiner Laden plus Snackbar. Dachten wir. Dazu gab’s gratis einen munter plätschernden Fluss, der uns zu einer 45minütigen Kaffeepause verleitet hat, weil wir uns nicht losreißen konnten. Und dann war da noch das Cedar Grove River Barbecue, das die ganze Zeit leckeren Smoker-Geruch in unsere Richtung gepustet hat. Also haben wir spontan sehr früh unser Dinner zu uns genommen in Form eines Pulled Pork Sandwichs. Frank hat das Sandwich (= Brötchen) bekommen, den Rest haben wir geteilt und sind von der 9$-Portion immer noch gut satt geworden. Beide!

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Auf dem Weg zurück zum Parkeingang, sprich 50min bergauf, haben wir noch kurz an den Grizzly Falls angehalten, die direkt an der Straße liegen. Und am Visitor Center noch einen kurzen Abstecher zum Panorama Point gemacht, der einen tollen letzten Überblick über den Kings Canyon und die dahinter liegenden nicht zugänglichen Teile des Nationalparks bzw. der High Sierra bietet.

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Unser Fazit: Insgesamt ein unglaublich schöner Park, den wir so gar nicht erwartet hätten – weil wir zum Kings Canyon NP keine Bilder gesehen hatten. Ist irgendwie auch nicht so bekannt wie der Sequoia, und wir haben ihn eher auf dem Plan gehabt, weil er eben auf der Strecke lagt.

Bis zum Dunkelwerden und noch ein bisschen länger sind wir nun (ich tippe im Auto) unterwegs zum Yosemite NP, dort übernachten wir die nächsten beiden Nächte. Mehr dazu dann morgen :-)

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PS: Aufgrund von Beschwerden aus der Reisegruppe möchte ich hier noch drei Dinge nachtragen:

  1. Auf der Fahrt entlang des Highway 1 haben wir mehrere Male Wale gesehen, sowohl die Wasserfontäne beim Ausatmen, als auch die Schwanzflossen beim Halbauftauchen, als auch die seitlichen Flossen (also die, die bei uns Arme heißen), mit denen die Wale aufs Wasser schlagen, um Fische irgendwohin zu treiben. Das kann man ganz schön weit hören… und wenn das Licht richtig steht, auch den Fischschwarm sehen, um den die Wale kreisen, weil sich dort nämlich das Wasser stark kräuselt.
  2. Gestern Abend auf der Fahrt über die Serpentinenstrecke haben wir drei Füchse oder Coyoten gesehen, ganz sicher sind wir nicht. Jedenfalls waren sie grau und haben uns eher vorwurfsvoll als ängstlich angesehen, weil wir sie in ihrem Abendprogramm gestört haben.
  3. Ebenfalls gestern Abend stand neben uns ein tiefergelegter knallgelber Pickup mit Spoiler. Sieht albern aus, erst recht mit der Aufschrift „Rumble Bee“. Und an der Ampel habe ICH ihn auch noch stehen lassen :-)

Gefahrene Meilen: 256
Hotel: Wawona Lodge, Yosemite NP