Tag 2: Immer noch Johannesburg

Zum Start in den Urlaub haben wir erstmal ausgeschlafen, jedenfalls wenn man es damit vergleicht, wie lange wir vermutlich in den nächsten Wochen schlafen werden… da aber hier die Wasserlöcher und Tierbeobachtungen eher rar sind, können wir getrost bis 8h liegenbleiben.

Dann reichts aber auch, und wir brechen auf zum Frühstück im Newscafé an der nächsten Ecke. Vom Wetter her könnten wir draußen sitzen, aber da ist aktuell eine relativ laute Baustelle, also ist es drinnen doch schöner.

Kurzes Testen hat ergeben, dass ich zwar meine Blogposts diktieren kann, aber nur solange ich auch Internet habe. Für heute kein Problem, aber danach muss ich wohl doch wieder tippen… schade eigentlich.

Dann ein Anruf von Hertz, sie haben einen Ersatzwagen für uns. Die Hertz-Mitarbeiterin von gestern hat sich drum gekümmert, nicht etwa der ADAC. das geregelt? Also holen wir den später ab, erstmal ruft der Bus.

Die Kellnerin im Newscafé meinte, es sei heute kalt… naja… südafrikanisches kalt vielleicht. Für uns war es eher „zu warm, um die ganze Bustour in einem Rutsch zu machen, weil man da konstant in der Sonne sitzt“. 30 Grad oder so.

Erst ging es durch den Stadtteil Saxonwold – hier wurde das erste Gold gefunden, das Goldvorkommen stellte sich aber als relativ klein heraus. Der findige Landbesitzer hat dann zügig umgesattelt auf Holzanbau, vor allem für die in den Minen benötigten Stützpfeiler. Damit ist er dann auch ganz ohne Gold reich geworden und hat später sein Land für einen öffentlichen Park gestiftet.

Die Tour führt einmal um den Zoo Lake und den Zoo Park zum (Überraschung) Zoo. Erste wilde Tiere haben wir auch schon gesehen, neben Wildhunden (über den Zaun vom Zoo) waren um Park Ibisse unterwegs. Die Glossy-Variante, keine Ahnung, wie die auf deutsch heißt, meine Vogelbestimmungs-App kann nur englisch und Afrikaans.

Insgesamt sind hier die Häuser eher größer und von hohen Mauern mit Stacheldraht umgeben. Alles sehr grün und ordentlich,

Interessantes, wenn auch weitgehend unnützes Wissen: mitten in einem Park liegt eine Wasserscheide – Regen, der nördlich des Hügels runterkommt, fließt über den Limpopo durch Mosambik in den Pazifik. Drei Meter weiter fließt das Wasser stattdessen Richtung Westen quer durchs Land in den Atlantik. Dieser kleine Unterschied entscheidet über “life and draught”, Leben und Dürre.

Das erste mal ausgestiegen (schließlich ist es ein Hop-on-Hop-off-Bus) sind wir am Carleton Center. Das ist nur mäßig höbsch, aber mit 50 Etagen das höchste Gebäude in ganz Afrika. Wir wurden von einem Mitarbeiter der Busfirma im Rudel dorthin gebracht, der Weg vor allem im Gebäude ist echt unübersichtlich. Damit wir auch sicher den nächsten Bus erreichen, hatten wir oben nur 15min Zeit. Reichte gerade so, um einmal rumzulaufen und ein paar Gebäude von oben zu identifizieren.

Im Süden liegen die Abraumhalden der alten Goldminen, die neben der Entsorgung von Unmengen Erde auch als Trennung zwischen der weißen Stadt und den ärmeren Randgebieten dienten. Sie werden übrigens aktuell wieder genutzt, aufgrund des hohen Goldpreises lohnt sich das selbst für kleinere Reste im früheren Abraum.

So sah es dann etwas später von unten und von Nahem aus:

Aus zeitlichen Gründen müssten wir uns entscheiden zwischen Apartheid Museum oder der Soweto-Tour. Beides klappt nicht an einem Tag, jedenfalls nicht mit einem Date bei Hertz. Ersteres wollte ich schon letztes Jahr, Frank war nicht abgeneigt, also: Museum.

Schon direkt hinter dem Eingang geht es los – die Besucher haben per Zufallsprinzip mal Karten für Weiße, mal für Nocht-Weiße, und müssen durch entsprechende Eingänge das Gebäude betreten.

Die ersten Meter innen sind dann auch noch getrennt und vorbei an den damals vorgeschriebenen ldentitätskarten, wobei die Zuweisung einer “Farbe” bzw Rasse teilweise sehr willkürlich geschah. Und auch manchmal nachträglich geändert wurde:

Im Museum selbst habe ich nicht viele Fotos gemacht. Die Ausstellung zeigt die Geschichte der Apartheid (und ihrer Vorläufer) bis in die Neunzigerjahre hinein, als dieses Kapitel ein Ende hatte. Einige der Hintergründe und Bilder kannte ich, aber natürlich ist hier alles deutlich detaillierter dargestellt.

Viele Zeitzeugen Berichte, Videos, Fotos, einige davon durchaus verstörend. In der Ausstellung waren auch zahlreiche Videos zu sehen, in denen Weiße rechtfertigen, warum dieses System richtig ist. Was dabei am erschreckendsten ist, ist die Tatsache, dass das noch keine 30 Jahre her ist. Wenn man sich überlegt, wie sehr es in Deutschland immer noch Ost und West gibt und die beiden Hälften ja vorher nicht so gegeneinander und miteinander umgegangen sind, ist es kein Wunder, wenn hier noch nicht alles vergeben und vergessen ist.

neben der permanenten Ausstellung gab es eine Sonderausstellung zu Nelson Mandela. Vieles davon hatten wir letztes Jahr schon gelesen an der Mandela Capture Site (der Stelle, an der er verhaftet wurde), aber es gibt auch neue Details und vor allem ein paar positive Geschichten neben der ganzen Apartheids-Thematik. Z.B. das Rugby-Endspiel (traditionell ein weißer Sport) bei dem Mandel auf dem Platz aufgetaucht ist und damit wohl viele weiße Südafrikaner positiv überrascht hat. Ein Zitat war sinngemäß: “da habe ich das erste mal gedacht, dass das mit Südafrika klappen könnte”.

Johannesburg hat heute ungefähr 4 Millionen Einwohner, kommt ein bisschen darauf an, wen man alles mit zählt. Stadt war überhaupt nicht als langfristiges Projekt geplant, sondern hat als kleine Zeltstadt auf einem staubigen Berg angefangen, als dort Gold gefunden wurde. Eigentlich auch eine günstige Stelle, denn es gibt keine natürliche größere Wasserquelle – fast alle anderen großen Städte weltweit liegen entweder an einem Fluss oder am Meer. Aber nun ist die Stadt halt da und hat sich zu einer der größten in Afrika entwickelt.

Nachdem wir die nun zweimal auf der Rundfahrt besichtigt haben, geht es nach einem kurzen Zwischenstopp auf dem Constitution Hill wieder in Richtung Appartement. Wir standen früher wäre Gefängnisse, die vor allem in Zeiten der Apartheid keine sehr glückliche Geschichte haben. Wir hatten keine Zeit mehr, etwas innen zu besichtigen, sind aber eine Runde auf dem Mauern das ehemaligen Forts gelaufen.

Dann sind wir eine halbe Stunde zum Flughafen gefahren, um das neue Auto abzuholen. Somit haben wir nun kein Toyota mehr, ansonsten sieht es aber fast genauso aus, so für mich als Laien. Es hat auf jeden Fall 4×4, wir können also überall hinfahren wo wir so hin fahren möchten. Hier schon mal ein Foto, wir machen aber bestimmt noch eins in freier Wildbahn:

Auf dem Rückweg konnte man schon sehen, dass sich das Wetter ändert – dunkle Wolken, die den ersten Regen ausgespuckt haben, als wir ins Parkhaus des Appartmenthauses gefahren sind. Da fiel die Entscheidung nicht schwer, sehr in der Nähe essen zu gehen – Regenjacken haben wir nicht eingepackt.

Also waren wir im neuen Ableger des “The Grillhouse” von gestern, dem “Kitchen Grill”. Tolles Fleisch, super Beilagen…

…und danach noch Cocktails. Frank hatte ein Trio mit verschiedenen gefrorenen Gin & Tonic-Varianten, ich habe den Kellner entscheiden lassen, welchen Gin ich bekomme – ich kannte nur zwei von der Liste und wollte mal was Neues. Das habe ich in einer zweiten Runde dann gleich nochmal gemacht, Frank hatte schließlich gleich DREI!!! Gläser.

Gemütlich haben wir also den zweiten Abend in Johannesburg ausklingen lassen – und uns von drinnen den massiven Wolkenbruch angesehen. Und morgen gehts dann richtig los, im Moment fühlt es sich ja noch noch so nach Afrika an. Das ändert sich aber morgen ganz sicher… Was übrigens auch heißt, dass wir vermutlich kein Internet haben werden in den nächsten zwei Tagen. Danach wahrscheinlich schon, sicher ist es aber nicht. Wir werden sehen –