Tag 9 – iSimangaliso Wetlands (Western Shores)

Da das jetzt so drin ist, bin ich gegen 5 Uhr aufgewacht und habe die Zeit genutzt, ein bisschen was für den Blog zu schreiben und Fotos zu sortieren. Ab 8 Uhr gab es Frühstück, und wir saßen mit je zwei Spaniern und Franzosen zusammen draußen am Tisch. Die Unterhaltung war kreativ mit verschiedenen in-die-Runde-Übersetzungen, weil nicht jeder alle Sprachen verstand – geht aber alles. June tischte reichlich auf: Erst bekam jeder ein Schälchen frischen Obstsalat, und dazu gab es Toast, Marmelade, etwas Käse. Anschließend konnten wir das warme Frühstück bestellen, da gab es das Full English Breakfast, also Tomaten, Schinken, Würstchen, Hashbrowns, Eier (wahlweise gerührt, gespiegel, pochiert, oder als Omlett). Das reicht erst mal eine Weile.

Anschließend haben wir uns nach einem kurzen Abstecher in den Coffeeshop (ja, wir sind wieder in der Zivilisation, es gibt einen Coffeeshop mit echt gutem Kaffee) aufgemacht in die Western Shores, also den westlichen Teil, des iSimangaliso Wetlands Parks. Der ist kleiner als der östliche Teil und braucht weniger Zeit, das bot sich heute an. Unterwegs nochmal das Schild mit der Hippo-Warnung, diesmal die offizielle Version an der Straße:

Die Landschaft hier ist ganz anders, eben sehr “Wetlands” – viel Gras, dazu aber auch palmenartige Bäume und insgesamt sehr grün. Das Wetter war (noch) nicht so besonders, es war zwar warm, aber bedeckt, das macht sich auf Fotos ja immer nicht so toll. “in echt” war es aber trotz der Wolken sehr schön.

Die ersten Tiere, die wir zu Gesicht bekamen, waren mal wieder Meerkatzen. Diese saßen (dem Wetter angepasst?) zusammengekauert unter einer Palme, die Zeit wurde u.a. für die Morgentoilette genutzt:

Das Gnu auf dem Hügel ist weniger spannend, aber es guckt ungefähr so fasziniert auf das fliegende Rieseninsekt wie wir den halben Tag über.

Es klingt wie ein kleiner Hubschrauber, und es sieht genau so aus wie der “Goldene Schnatz” bei Harry Potters Quidditch-Spielen. Also haben wir die Tiere auch konsequent “Schnatz” genannt. Und wir hatten viele Schnatze! Hier zweimal in Nahaufnahme, und dann nochmal ganz ganz nah – einer hatte sich nämlich durch das offene Fenster ins Auto verirrt (@Sandra: ist noch nicht lange her, dass wir über so eine Situation gesprochen haben) und mit meiner Schulter kollidiert, der musste freundlich rausgebeten werden.

Wir sind zunächst, wie von Gary empfohlen, in den Loop abgebogen, da der eine Einbahnstraße ist und wir sonst einen größeren Umweg gefahren wären. Es gab diverse kleine Abstecher und einen größeren Picknickplatz, alle schön beschildert, damit man wenigstens im Fall der Fälle weiß, WER einen frisst und dass man selbst die Verantwortung dafür trägt.

Die Vegetation wechselt zwischen offenen Grasflächen und eher sumpfigen Bereichen, dazwischen auch mal ein bisschen buschiger Wald.

Es gab auch die üblichen Tiersichtungen, heute mal ein Grüppchen. Eine Giraffe versucht, sich ins Zebrateam einzugliedern, und dann macht eine Gruppe Giraffen einen Sitzstreik – das haben wir so noch nie gesehen, eigentlich sind die immer auf den Beinen, allerdings waren wir auch bisher immer in Parks, in denen es Löwen gibt, da müssen Giraffen im Zweifelsfall schnell weg. Auf manchen Bildern ist die Zuordnung von Körpern zu Hälsen ein bisschen schwierig…

Ein paar Minuten später eine muntere Zebra-Truppe mit Nachwuchs:

Und manchmal fragt man sich schon, wer hier eigentlich wen beobachtet…

Am Aireal Boardwalk haben wir uns ein paar Minuten die Beine vertreten (auf eigene Gefahr, klar) und sind über den Holzsteg bis zum Aussichtsdeck gelaufen. Nicht weit, aber man eine schöne Abwechslung. Roter Tausendfüßler inklusive, der sich kunstvoll den Ast hochgeschlängelt hat…

Der Ausblick ist aber auch nicht zu verachten, man schaut weit in den Park und natürlich treibt sich allerlei Antilopen-Getier im Bild rum. Diesmal vor allem Impalas und Wasserböcke, und Zebras sind ebenfalls nie weit weg.

Nach circa drei Stunden waren wir einmal durch diesen Parkteil durch und bereit für den nächsten Programmpunkt, Mittagessen im Ski Boat Club in St. Lucia. Der wurde wieder sowohl im Forum, als auch von unserem Gastgeber Gary empfohlen, vor allem wegen der tollen Aussicht. Gut, das Wetter hätte noch schöner sein dürfen, aber auch so konnte man die Dünen, das dahinter aufspritzende Meer und die Flamingos im Vordergrund schön beobachten.

Und dann kam schon fast das Abendprogramm – wir waren nur kurz im Guesthouse für ein wirklich kurzes Nickerchen und um uns mit mehrere Lagen Kleidung einzudecken. Um 17:15h wurden wir dann von einem Safari-Fahrzeug eingesammelt und unsere Turtle-Tour ging los. Ab Ende Oktober ist nämlich Saison für Meeresschildkröten, die kommen hier an den Strand und legen ihre Eier ab. Ich weiß, ich mache den Spannungsbogen kaputt (bzw. baue erst gar keinen auf), aber: wir haben die Tour inzwischen umgetauft in die “No-Turtle Tour”. Es war keine da. Null, nada, niente. War aber trotzdem ein schöner Abend, und so ist das eben mit dem Wildlife. Ist nicht immer da, wo man es gerne hätte.

Also, die Tour. Wir waren 9 Gäste im Auto, also voll besetzt, und neben dem Fahrer noch eine “Helferin”. Erstmal ging es durch den Eastern Shore-Teil des Parks, also den, den wir noch nicht kennen. Das sind ca. 30km bis Cape Vidal, wo normalerweise Ende ist. Der Park selbst geht noch 100 (?) km weiter, aber da ist für Touristen keine Straße vorgesehen. Nur zwei Tour-Anbieter dürfen überhaupt weiter, und so ging es durch die Schranke auf den Strand, mit deutlich reduziertem Reifendruck, damit wir da überhaupt fahren können.

Auf dem Hinweg wurde schon nach Spuren Ausschau gehalten, denn die Schildkröten (900kg schwere Leatherbacks und 180kg schwere Lockerheads) kriechen ja vom Wasser bis zu den Dünen. Auf dem Hinweg darf man sie auf keinen Fall stören, denn dann drehen sie einfach um und legen ihre Eier nicht ab. Gab aber eh keine Spuren…

Am Leven Point, dem äußersten Ende, das befahren werden darf, haben wir angehalten und es wurde das “Light Dinner” auf der hinteren Ladeklappe aufgebaut:

Voller Hoffnung ging es dann zurück, wobei es schon da relativ unwahrscheinlich war, denn wenn keine Schildkröte hochgekrochen ist, wird wohl kaum eine inzwischen den Weg UND die Eiablage geschafft haben… und so war es dann ja auch. Auf dem gesamten Weg von ca. einer Stunde / 27km auf dem Strand haben wir NICHTS gesehen.

Dafür dann immerhin auf dem Rückweg durch den Park, also auf der Landseite der Dünen:

Die Nashörner sind übrigens enthornt, um sie vor Wilderern zu schützen. Sieht leider ein bisschen traurig aus, aber es rettet ihnen das Leben und beeinträchtigt sie nicht wirklich.

Damit war der Tag vorbei, um 23h waren wir wieder im Guesthouse. Lange nach unserer üblichen Zeit, also schnell ab ins Bett, morgen geht’s weiter!