Tag 5 – Bei den Riesenbäumen

Der heutige Tag stand im Zeichen des ersten Nationalparks – was anderes schafft man üblicherweise auch nicht, so ein Park ist in der Regel ein bisschen größer. Daher gab’s nur ein schnelles Frühstück im Hotel, beim Super8 ist das oft schon mit drin. Das heißt dann Cornflakes, Donuts, manchmal Bagel, heute gab’s für Frank auch mal wieder Waffeln zum Selberbacken. Ich habe meine Familienpackung glutenfreie Frühstückstflocken gleich am ersten Tag gekauft, davon zehre ich jetzt. Außerdem habe ich meistens auch Obst und/oder Joghurt dabei…

Zwei kurze Stopps noch auf dem Weg zum Sequoia Nationalpark: im Walmart, um die Picknickzutaten & Getränke für den Tag zu kaufen, und dann die Tankstelle beim nächsten 7Eleven (also tanken für’s Auto und für uns selbst).

Bis zum Eingang des Sequoia NP sind es von Visalia aus ca. 30 Meilen, dort haben wir erstmals unseren noch vom letzten Jahr gültigen Nationalparkpass gezückt.

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Kurzer Besuch im Visitor Center (ich muss ja jetzt immer meinen Stempel abholen, nachdem ich endlich das Passport-Buch habe), und danach muss man noch ein ganzes Stück weiterfahren, bis die ersten Sequoias auftauchen. Dabei geht es kontinuierlich bergauf auf ca. 2000m. Immerhin konnten wir unterwegs schonmal die Aussicht auf unseren ersten “Tagesordnungspunkt” genießen:

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Das ist der Moro Rock, und da wollten wir rauf. Also haben wir das Schuhwerk gewechselt und sind losmarschiert – oder vielmehr gestiegen, denn der größter Teil des Weges besteht aus Treppe oder in den Fels gehauenen Stufen. Meistens (aber nicht immer) mit Geländer, manchmal sind da auch nur mehr oder weniger hohe Steine am Rand, und der Weg ist nicht gerade breit. Uns sind einige Menschen mit offensichtlicher Höhenangst begegnet, die nicht so glücklich aussahen… Aber es lohnt sich, die Rundumsicht ist grandios. Auf der einen Seite die Berge, auf der anderen Seite der Blick ins Tal auf die Serpentinen, die wir vorher hochgefahren sind:

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Der Abstieg ging dann deutlich schneller, und wir sind ein Stückchen weitergefahren und haben unterwegs die ersten Sequoias näher in Augenschein genommen. Die sind riesig, in alle Richtungen. Ein bisschen Wissen kommt gleich, erstmal Bilder – von der Basis, die Höhe, die Wurzeln:

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Da inzwischen schon Mittagszeit war, haben wir uns mit unserer Picknicktüte an einem Tisch niedergelassen – beobachtet von vier Mule Deers, die sich aber bei ihrem Mittagsmahl nicht stören ließen. Im Gegenteil – sie kamen immer näher, bis auf ca. 6m. Irgendwann haben wir dann einfach angefangen zu essen und dabei durchaus auch mit Tüten geraschelt und geredet, aber auch das hat sie nicht beeindruckt.

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Auf dem Rückweg haben wir noch eins der Standard-Fotos gemacht, das mit dem Auto unter dem umgestürzten (und dann ausgesägten, keine Fotomontage mit zertrümmertem Dach) Sequoia:

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Zurück an der Abzweigung vom Generals Highway (der Hauptstraße durch den Park) sind wir im Giant Forest – so heißt dieser Teil des Parks mit über 2000 Bäumen mit einem Durchmesser von >3m – den Big Tree Trail gelaufen. Traumhaft… man läuft um eine Wiese herum, die von Sequoias umstanden ist. Überall sieht man die tollen roten Riesen, und auf zahlreichen Schildern erfährt man allerlei Wissenswertes. Das möchtet ihr auch hören? Na klar, kommt sofort:

  • die Bäume werden bis ca. 70m hoch
  • sie wachsen nur unter ganz bestimmten Bedingungen (Höhe, Temperaturen, Wasser, Feuer, sonstige Pflanzen) und nur hier in einem kleinen Gebiet
  • sie wachsen zunächst sehr schnell und schmal in die Höhe, mit vielen Ästen für viel Photosynthese
  • wenn sie älter werden und die umstehenden Bäume überragen, wachsen sie erst oben in die Breite und entwickeln eine runde breite Krone, während die Äste unten abfallen
  • wenn sie noch älter werden, wachsen sie nur noch in die Breite
  • sie brauchen Feuer, um richtig gut zu wachsen – weil dann die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe verschwindet und weil nur so ihre Samen überhaupt ausgeworfen werden und anwachsen können

Nach einem kurzen Stopp im Museum sind wir weitergefahren zu General Sherman, dem größten (im Sinne von größtes Volumen, nicht Höhe) lebenden Baum weltweit. Sagen sie jedenfalls. Bin ja nicht sicher, ob sie wirklich JEDEN anderen Baum nachgemessen haben ;-)

General Sherman ist jedenfalls sehr beliebt, hier ist es deutlich voller als an jeder anderen Stelle im Park, die wir besucht haben. Der Weg ist gut ausgebaut, schön fanden wir das Schild “hier befinden Sie sich ungefähr auf Höhe der Krone von General Sherman” – vom Parkplatz aus läuft man 700m lang bergab bis zum Fuß des Baums. Dort reihen sich alle brav in die Fotoschlange ein, um einmal mit dem Baum fotografiert zu werden. Immerhin gibt es hier nicht so eine Zwangsfotografiererei wie an vielen anderen amerikanischen Sehenswürdigkeiten, sondern Touristen helfen Touristen…

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Sehr eindrucksvoll ist die Visualisierung der Größe des Baums – hier und auch beim Big Tree Trail wurde der Umfang mitten in den ansonsten asphaltierten Weg gepflastert, damit man mal eine Vorstellung bekommt, WIE groß das ist.

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Zurück sind wir mit dem Shuttlebus gefahren (also die 65 Höhenmeter, die wir vorher runtergelaufen sind, plus die Serpentinen, die so ein Bus nehmen muss), um Zeit zu sparen. Und sooo wild waren wir auf “nur bergauf bis auf Höhe der Krone von Sherman” nun auch nicht.

Die verbleibende Zeit reichte leider nicht für andere Wanderungen, die hätten alle 2-3h gedauert, und da sie alle zu einem bestimmten Overlook oder See führen, wäre es auch blöd gewesen, nach der Hälfte umzudrehen. Daher sind wir mit mehreren Fotostopps und dem vergeblichen Versuch, mein Koffein-Level in einer Lodge zu optimieren, gen Norden zum Parkausgang gefahren. Noch ein letztes Foto mit den roten Riesen und unserem auf einmal gar nicht mehr so groß wirkenden Mietwagen:

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So sieht übrigens ein Baum aus, der innen verbrannt und ausgehöhlt ist, aber trotzdem noch steht und lebt – davon gibt es unzählige im Park, genaugenommen haben alle Riesen solche Brandspuren, aber die dicke rote Rinde hält das aus, der Baum im Inneren wird in den meisten Fällen gar nicht verletzt oder kann das zumindest anschließend selbst “heilen”:

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Auf einer unglaublichen Serpentinenstrecke mit ungelogen 20 Kurven pro Minute sind wir zurück nach Visalia gefahren, haben für die nächsten Tage (ohne größere Städte) unsere Wasservorräte aufgefüllt und sind dann bei Applebee’s essen gegangen. Lecker Steak und Garlic Mashed Potatoes und Coleslaw… was will man mehr?

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Ach ja, Frank wollte noch in den Pool. Ich habe noch gar nichts zum Wetter geschrieben, fällt mir da auf. Also, die letzten 3 Tage an der Küste hatten wir konstant so um die 22 Grad gehabt, hier im Landesinneren in Visalia sind es eher 2730 (es gab gerade Beschwerden aus der Reisegruppe, ich habe tatsächlich gestern falsch gerechnet), auf dem Berg heute tagsüber so ungefähr 25. Also sehr angenehm, man kann und will sich dabei noch bewegen. Mindestens das Wollen war ja letztes Jahr nicht immer gegeben… Da gefällt uns das so doch noch etwas besser.

Gefahrene Meilen: 155
Hotel: Super 8, Visalia

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