Tag 18 – Heading south

Da wir bald an dem Punkt sind, an dem wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen wollen, machen wir jetzt mal was anderes. Nämlich nach Süden fahren, heute war ein längerer Fahrtag, aber trotzdem mit ein paar netten Zwischenstopps.

Philipsville war noch sehr – hm – sagen wir mal ruhig, um nicht das Wort „ausgestorben“ zu benutzen, als wir um 7:55h abgefahren sind. Frühstück gibt’s hier eh nicht, wir hatten die Wahl zwischen a) 3 Meilen zurück zum nächsten Ort zu fahren, in dem es ein Frühstücks-Diner gibt, und b) weiterfahren, unterwegs was kaufen und essen. Wir haben uns für (b) entschieden, vor allem aus Zeitgründen, denn die gut 200 Meilen bis Sausalito wollten wir ja nicht komplett am Stück und auf dem Freeway fahren.

Wieder mal waren wir überrascht, dass es hier in fast jedem noch so kleinen Dorf ein Espresseo-Drive-Through gibt, mit wirklich gutem Kaffee. Direkt daneben war ein Supermarkt, also konnten wir das alles in einem Rutsch erledigen. Gefrühstückt haben wir dann irgendwo im Nirgendwo mit Blick auf einen Fluss, ich glaube es war immer noch der Smith River.

Wir freuen uns immer wieder über die Schilder, die die Amerikaner so aufstellen. Neben meiner Sammlung von „Achtung, [Bild von Tier] kreuzt die Straße“-Schildern gibt es unzählige Hinweise, Verbote oder Anweisungen, die uns zum Lachen bringen. Heute war es dieses hier:

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Endlich sagt das mal jemand!!! Also, merkt euch das, NICHT losfahren, wenn der Schlauch noch im Tank hängt!

Aus einem kostenlosen Magazin mit Tipps für die Region hatte ich einen alteingesessenes, weithin bekanntes Geschäft rausgesucht, Mom’s Apple Pie. Ist mal aus der Not raus geboren worden, dass sich die Äpfel der Farm nicht gewinnbringend verkaufen ließen – erst in Teig verpackt lief das Geschäft. Dort hat sich Frank sein Mittagessen ausgesucht (Apfelkuchen, was sonst) und ich hatte somit einen zweiten Salat gewonnen, denn den hatten wir zusammen mit dem Frühstück schon gekauft. Hätte schlimmer kommen können, war ein sehr guter Salat ;-)

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Als wir endlich an der Küste angekommen waren, sind wir zunächst nach Jenner gefahren und haben uns dort an der Steilküste mit Blick auf die Russian River-Mündung, den Pazifik, einen Gleitschirmflieger auf Augenhöhe und ein paar Surfer niedergelassen. Jetzt brauchen wir auch wieder Sonnenmilch, Sonnenbrille und Kopfbedeckung, das war in den letzten Tagen im Wald nicht nötig…

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Nach dem Picknick sind wir kurz nach Jenner gefahren, um uns im Visitor Center über die genauen Zeiten von Ebbe und Flut zu informieren. Leider war die Dame dort irgendwie nicht auf die Frage vorbereitet, sie hatte Mühe, den Gezeitenkalender zu lesen. Und das, obwohl hier die sogenannten tidal pools, die kleinen Tümpel mit Getier bei Ebbe, eine der Attraktionen sind… naja, wir haben’s dann gemeinsam rausgefunden. So ungefähr wussten wir ja schon, dass Ebbe am mittelspäten Nachmittag sein würde, ein bisschen Zeit war noch, aber das ließ sich nunmal nicht anders einrichten.

Ausgerüstet mit einer Karte und einer Beschreibung der besten tidal pool-Ecken sind wir aufgebrochen und haben uns unterwegs für den Carmet Beach entschieden. Großer Parkplatz, einfacher kurzer Abstieg ans Meer – klingt gut. War es auch. Frank hat mal wieder ein Schläfchen im Auto gehalten, während ich schonmal an den Strand gegangen bin, mich umgesehen und dann in Ruhe ein bisschen gelesen habe. Tidal pools waren nämlich noch keine da, war noch 2h zu früh.

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Irgendwann bin ich dann aber doch schonmal an die Wasserkante gestiefelt (fast wortwörtlich, Wanderschuhe auf Sand sind eigentlich doof, aber Wanderschuhe auf rauhen Felsen sind schon ganz praktisch). Die ersten muschelbewachsenen Felsen guckten aus dem Wasser, und nach und nach tauchten immer mehr davon auf. Erstmal wenig Getier, aber kurz nachdem Frank endlich dazugestoßen war, habe ich die ersten See-Anemonen (glaube ich zumindest, muss ich noch googeln) gefunden.

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Witzige Tiere, sehr fotogen, wenn sie „aufgeblättert“ unter Wasser sind, weniger hübsch, wenn sie sich zusammenziehen und von außen mit kleinen Steinchen tarnen – aber clever. Man sieht sie so kaum, vor allem die kleinen sehen aus wie eine Schicht Sand/Steine auf dem Felsen. Wenn man sie anstupst, bewegen sie sich aber, also muss man sehr vorsichtig sein, wo man hintritt.

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Anemonen sind nett, bunter Seetang auch, aber ich wollte unbedingt noch einen Seestern sehen. Also haben wir den Standort gewechselt und festgestellt, dass die rechte Seite der Bucht noch viel besser ist und dort viel mehr echte Pools zu finden sind. Hier gab’s dann viele weitere grüne und weiße Anemonen, verschiedenes Krebsgetier und endlich auch Seesterne. Allerdings brauchten wir ein bisschen Hilfe, zwei Männer hatten drei Stück gefunden und für ein Foto aus dem Wasser geholt. Ich hatte immer nach viel kleineren Tieren Ausschau gehalten – der Kleine war so etwa handgroß, die beiden anderen deutlich größer!

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Nachdem wir wussten, wie sie aussehen, haben wir auch jeder noch einen weiteren ziemlich großen gefunden, nur sind die Viecher schwer zu fotografieren, weil sie unten an großen Felsüberhängen wohnen. Die drei vom Foto sind übrigens natürlich wieder zurück ins Wasser verfrachtet worden, den kleinen habe ich dabei für ein schönes Foto mit Anemonen platziert… (s.o.)

Die Weiterfahrt war nicht mehr so spannend, waren auch nur noch etwas über 50 Meilen bis nach Sausalito. Wir hatten uns bei unseren Airbnb-Gastgebern angekündigt für 18-19h, wir wären auch tatsächlich gegen 18h da gewesen, wenn wir uns nicht kurzfristig überlegt hätten, dass wir bei sooooo blauem Himmel doch noch die Golden Gate Bridge mitnehmen. Das hat sich gelohnt – wir haben ja am Anfang des Urlaubs Brücke mit Wolken (bzw. Nebel, der aber aussieht wie Wolken) gemacht, jetzt haben wir das Postkartenmotiv mit der leuchtenden Brücke vor blauem Himmel. Von mehreren Aussichtspunkten aus an den Conzelman Road:

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und anschließend auch noch von Fort Baker aus:

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Somit waren wir um kurz nach 19h bei unserer Unterkunft und wurden von Billy, einem der WG-Bewohner, begrüßt. Das Haus liegt fast am Wasser, in einer untouristischen Hafengegend. Unser Zimmer ist toll, klein aber nett eingerichtet, es gibt eine Terrasse und wir können Küche und Bad nutzen… Nach ein bisschen Smalltalk haben wir Billy nach einer Restaurant-Empfehlung gefragt, er hat uns zum Fish geschickt – direkt um die Ecke, fünf Minuten zu Fuß, grandios leckere Fischgerichte. Gut, einige sind für mich direkt raus, alles paniert-frittierte und mit Sandwich ging nicht, aber ich hatte einen tollen weiße-Bohnen-Thunfisch-diverses-Gemüse-Salat, Frank ein Sandwich mit mariniertem Lachs. Das Restaurant ist maritim-rustikal, man bestellt das Essen am Tresen, Wasser gibt’s aus einfachen Gläsern, man sitzt auf Holzbänken – es war sooooo lecker, dass wir am liebsten morgen nochmal wiederkommen würden. Passt aber aus Zeitgründen leider nicht…

Danach haben wir unser Auto geholt und sind nochmal zu einem der Golden Gate Bridge-Aussichtspunkte gefahren. Vorher war es schon windig & frisch, jetzt ohne Sonne war daraus windig & kalt geworden. Und da Nachtfotos draußen sowieso nichts geworden wären, weil die Kamera gewackelt hätte, sind wir einfach im Auto sitzengeblieben und haben die Aussicht auf die Brücke mit Fast-Vollmond genossen. Und die Sonnen-/Mondblende runtergeklappt, weil das das Bild der Brücke gestört hat ;-)

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Mit den besten Vorsätzen bezüglich „heute schreibe ich mal wieder was in den Blog“ sind wir zurück in unsere Unterkunft gefahren. War aber nix mit Schreiben, wir sind irgendwie mit unseren Gastgebern Victor, Billy und Anthony im Wohnflur gelandet und haben uns dort festgequatscht. Aber das ist ja gerade das Schöne an den Airbnb-Buchungen: man kommt mit Einheimischen in Kontakt. Da muss so ein Blog schonmal warten…

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