Tag 17 – Avenue of the Giants

Weiter geht’s mit den Riesenbäumen, und weiter geht’s nach Süden. Nach einem Standard-Frühstück im Hotel sind wir nur ein paar Meilen weitergefahren, wieder nach Eureka, wo wir gestern schon zum Abendessen waren. Eigentlich war der Plan, dass wir nur einmal die “historic downtown” rauf und runter laufen und dann ein bisschen was für’s Mittagspicknick einkaufen. Wie der Zufall es wollte, war genau heute “Cruz’n Eureka”, die historic downtown war für den normalen Verkehr gesperrt und dort stand ein schönes altes Auto neben dem anderen. Amerikanische Klassiker… Für mich hätten sie ja gerne die Motorhauben geschlossen lassen können, ich finde die dann ja noch hübscher – aber ich bin auch nicht die Hauptzielgruppe ;-)

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Also sind wir durch die historische Altstadt geschlendert UND haben uns die Autos angeguckt, und die Leute dazu natürlich auch. Wobei historisch wie immer in den USA ja ein bisschen relativ ist aus europäischer Sicht. Historisch ist hier im Westen alles, was so ab 1850 passiert ist. Ich weiß nicht, von wann diese Altstadt ist, aber ich würde mal schätzen so um 1900? Ist aber sehr schön, viele Geschäfte und ein paar Restaurants, und ein Second Hand Buchladen. Da musste noch ein weiteres Pionier-Buch mit, jetzt ist es aber dann auch gut.

Nachdem wir alle Autos gesehen hatten, sind wir ein paar Meter weiter zum CO-OP gefahren. Das ist ein Supermarkt mit Bio-Lebensmitteln und vielen lokalen Produkten. Da haben wir uns mit Salat eingedeckt, Frank hat offensichtlich großartige Cookies eingepackt und ich dafür einen weiteren richtig guten Kaffee – dabei ist mal wieder eine neue Frage aufgetaucht. Auf “welche Größe, welche Milch, mit oder ohne Sirup, heiß oder kalt” bin ich ja inzwischen gefasst, aber was soll man bitte mit “wet or dry” anfangen? Da war ich wirklich ratlos. Die Erkärung war dann: mehr oder weniger Schaum… aha… na gut, wenn sie meinen… (fragt jetzt nicht, was denn nun was ist – ich hab’ einfach mal mittel-viel Schaum bestellt)

Nächster Stopp war Ferndale, das hatte ich in diversen Reiseberichten gelesen und es lag eh auf dem Weg. Ein kleines Dorf, das einen viktorianischen Ortskern hat. Gleiches Spiel wie oben: wir wollten einmal rauf- und runterlaufen. Und auch hier haben wir noch eine Veranstaltung unerwartet und gratis dazubekommen. Der ganze Ort war auf den Beinen und in jedem zweiten Garten war ein Yard Sale, also quasi ein Flohmarktstand, aufgebaut. Kennt man aus dem Fernsehen, haben wir auch schon mal vereinzelt gesehen, aber hier war es eben eine übergreifende Veranstaltung. A propos Fernsehen: Kommt jemandem dieser Ort bekannt vor? Mir nicht, aber ich werde nach dem Urlaub nochmal “Outbreak” gucken, das wurde nämlich hier gedreht!

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Und bevor es weitergeht noch ein kleines nettes Bild aus dem Land, in dem offensichtlich Milch und Honig und Kaffee fließen:

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So, der Rest des Tages war dann aber wieder den Bäumen gewidmet. Wir haben uns vor allem im Humboldt Redwoods State Park aufgehalten, dort verläuft parallel zum Highway die sogenannte “Avenue of the Giants”, daher auch der Tagestitel.

Zunächst sind wir einen ersten Trail am Anfang der Avenue gelaufen, 2.4 Meilen auf dem Drury-Chaney Loop Trail. Sah nicht großartig anders aus als die Trails am Vortag, aber schön war’s trotzdem oder auch gerade deswegen. Viel Grün, viel Redwook-Mikado, viele Kleeblätter. Und ich habe einen Bananenschnecke gesehen, die einzige übrigens, ich habe danach mehr auf den Boden als auf die Bäume geachtet, aber keine weitere mehr gefunden. Sehr witzig, sehen wirklich aus wie überreife Banenen:

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Dann haben wir uns an einem Parkplatz mit etwas mehr “Luft” zwischen den Bäumen, also weniger Grünzeug und mehr freiem Blick auf die Redwoods, einen umgefallenen Baum gesucht und dort gepicknickt.

Weiter ging’s mit einem wirklich SEHR kurzen Stopp beim Eternal Tree House, einem ausgehöhlten Redwood, in dem mal jemand gewohnt hat und in dem später ein Souvenirladen untergebracht war. Und einem fast ebenso kurzen Stopp in Dyerwood, da steht ein alter Wagen mit einem “Aufbau” aus einem ausgehöhlten Redwood.

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Die Straße an sich ist nicht so spektakulär, wie ich mir das nach den Beschreibungen im Internet vorgestellt hatte. Oder es liegt daran, dass wir schon so viele tolle Straßen durch Redwoods gesehen
haben? Egal, es war schön, keine Frage. Der Ranger im Visitor Center konnte uns nichts wirklich Neues mehr erzählen, wir sind eine kurze Runde über den Nature Trail am Visitor Center gelaufen und haben uns außerdem ein bisschen was zum verheerenden Hochwasser angelesen, das hier 1964 mehrere Orte komplett zerstört hat.

Interessanterweise fanden wir die Abzweigung von der Avenue of the Giants dann viel schöner und abwechslungsreicher als die eigentliche Hauptstraße… dort haben wir dann auch noch zwei kurze Trails in Angriff genommen, einmal den zum Giant Tree / Flat Iron Tree / Tall Tree (lustig: die Bäume zerfallen teilweise von selbst in sehr ebenmäßige Bretter)…
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… und dann den Rockefeller Forest Loop Trail, den man damals besagtem Rockefeller gezeigt hat, um ihn als Unterstützer für die Idee eines Parks zu gewinnen. Erfolgreich, er hat zweimal 1 Mio. Dollar gespendet… So gibt es den tollen Wald heute noch und George Lucas konnte dort Szenen für Star Wars drehen – das hier war Endor (für Frauen wie mich, die die Filme zwar gesehen, aber nicht auswendig gelernt haben: da wohnen die niedlichen Ewoks).

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Übernachtet haben wir im Riverside Inn in Philipsville, kurz vor dem Ende der Avenue of the Giants. Das Riverside Inn ist eins der ganz alten Roadhouses, es wurde von der Flut nur knapp verschont. Der Ort besteht sonst aus einem Post Office (das heißt aber nichts, das gibt’s fast überall) und einem Mini-Geschäft. Dazu ein paar Häuser und Wohnwagen, das wars. Das Riverside Inn ist also DIE Gelegenheit für sozialen Kontakt, es gibt eine gut besuchte Bar, ein mexikanisches Restaurant, eine Tanzfläche, Billardtische…

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Wir haben nur kurz unsere Koffer abgestellt, dann sind wir ins Restaurant gegangen, das u.a. bei Tripadvisor sehr sehr gute Kritiken bekommen hat. Zu Recht, das Essen war phantastisch, zum Glück kann man alle Gerichte mit Weizen- oder Maistortilla bestellen und letztere sind hier wirklich nur aus Mais, nicht wie in Deutschland “gemischt”. Wir hatten ja nichts anderes mehr vor, Internet und TV gab’s nicht, also hat es uns auch nicht gestört, dass wir für amerikanische Verhältnisse ungewöhnlich lange auf unser Essen warten mussten. Fast eine Dreiviertelstunde, würde ich sagen. Immerhin hatten wir schonmal Tortillachips und konnten uns in Ruhe der Planung des nächsten Tages widmen ;-)

Zum Ausklang des Tages haben wir uns noch eine halbe Stunde auf den Balkon gesetzt und den Tieren gelauscht, die da so durch’s Gebüsch kriechen oder fliegen… mit ausreichend Off eingesprüht war das auch überhaupt kein Problem, trotz des nahen Flusses hat uns nichts gestochen.

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