Extreme shelling

Amerikanisch ist schon eine nette Sprache – man kann aus fast jedem Substantiv ein Verb machen. Canoeing und cayaking hatten wir schon, nun auch noch shelling, also Muscheln sammeln. Wir sind ja jetzt an der Golfküste, und aufgrund der Strömung und der nicht so starken Wellen (oder was auch immer noch der Grund sein mag) gibt es hier gaaaaanz viele Muscheln, ich glaube ich habe was von 120 Arten gelesen. Ganz so viele verschiedene haben wir dann doch nicht gefunden, aber schon einige.

Wir waren dazu auf Sanibel, einer nur 12 Meilen langen Insel, ganz ruhig, keine hohen Gebäude und vor allem eine ganze Reihe öffenlich zugänglicher Strände. Ich hatte vorher schon eine Liste der besten Shelling-Strände (sorry, das heißt wirklich so!) ausgedruckt und so haben wir gleich mit einem der besten angefangen: Lighthouse Beach.

Der liegt ganz im Süden der Insel, keine Bebauung außer dem namensgebenden Leuchtturm, ein Streifen Grün da, wo bei uns die Dünen mit Gras wären, hier ist das irgendwas tropisches. Und dann nur noch flacher, langer, breiter Strand. Und Muscheln. Leider waren wir wohl etwas spät dran, die besten waren schon weg. “Normale” weiße wären noch haufenweise dagewesen, aber die wollte ich nicht. Ich wollte so schneckenförmige, klein oder größer, spitz oder rund. Habe auch einige davon gefunden, nur die großen nicht mehr. Oder jedenfalls keine vollständigen, Bruchstücke lagen noch genug rum. Die größten Stücke waren länger als Franks Hand, also müssen irgendwo (irgendwann?) auch solche Muscheln zu finden sein. Wir versuchen das morgen nochmal…

Nördlich von Sanibel liegt noch eine weitere kleine Insel, die nur von Sanibel aus zu erreichen ist: Captiva. Total ruhig, im Wesentlichen eine Straße, die von einem zum anderen Ende führt. Dann noch eine “Hauptstraße” mit Geschäften und Restaurants, insgesamt bestimmt 10 oder so. Also überschaubar. Die Häuser sehen alle so aus, als würden nicht die Ärmsten hier wohnen. Sehr gepflegt, mit einem halben botanischen Garten schon im Vorgarten, auf der Rückseite in der Regel direkt das Meer (also der Golf, um genau zu sein). Der Strand dort war ebenfalls super, ganz ruhig, kaum Häuser zu sehen, als wir ankamen, wurden gerade Stühle für eine Hochzeit aufgebaut. Ist bestimmt eine tolle Kulisse, wenn es nicht gerade anfängt zu regnen… wir haben noch unser Picknick essen können – inklusive Sturzflugeinlage einer Möwe, die mir den Rest meines Wraps aus der Hand geklaut hat! – und ein paar Muscheln sammeln, dann fing es an zu regnen. Also zurück zum Auto, dann regnete es stärker, also zurück nach Sanibel.

Nun liegt das ja nur 5-10 Meilen (je nachdem, welchen Punkt auf Sanibel man anpeilt) entfernt, das ist wettertechnisch ja nicht sooo eine Hilfe. Wir hatten noch einen tollen Strand auf der Liste, den wir sehen wollten. Auch wieder einer für’s Shelling natürlich… Auf dem Parkplatz tröpfelte es noch, mir egal, ich wollte ihn wenigstens kurz sehen. Also bin ich erstmal alleine losgestiefelt, Frank kam dann später nach, natürlich genau dann, als ich schon fast wieder am Auto war. Egal, zurück und nochmal den ganzen Weg. Hier haben wir übrigens den ersten Gator (vielleicht war’s auch ein Krokodil, den Unterschied kennen wir jetzt, aber man konnte es aus der Ferne nicht sehen) außerhalb der Naturschutzgebiete gesehen, einer schwamm in dem Seitenarm des Golfs rum, den man auf dem Weg zum Strand überquert… war aber weit genug weg. Und wir auf einer Brücke, das war auch ganz beruhigend. Am Strand dann das gleiche Spiel wie auf Captiva – ein paar Meter laufen, schon fängt es an zu regnen. Diesmal aber gleich richtig, also schnell zurück zum Auto.

Das war’s dann mit Sanibel/Captiva für dieses Mal, tolle Inseln, tolle Strände, hier würden wir sofort wieder hinfahren, aber bei Regen hilft heute alles nix. Noch einen Kaffee für unterwegs, dann haben wir die Inseln über die Brücke wieder verlassen.

Gut, dass wir einen relativ wetterunabhängigen Programmpunkt auf  der Liste hatten: Das Edison Ford Winter Estate Museum in Fort Myers. Hier hat Thomas Alva Edison (der mit dem Telefon und unglaublich vielen anderen Patenten) seine Winter verbracht und geforscht, außerdem hat Henry Ford (der mit Edison eng befreundet war und auch zusammengearbeitet hat) hier zwei Wochen im Jahr verbracht und dafür ein Haus gekauft. Beide kann man besichtigen, übrigens eine nette Idee: Zur Weihnachtszeit dekorieren verschiedene Freiwillige, meist lokale Firmen oder Organisationen, die einzelnen Räume der Häuser. Bestimmt 20 Weihnachtsbäume, plus Strümpfe am Kamin und so… schöne Idee!

Außerdem sieht man das ehemalige Labor, die Garage (mit alten Ford-Modellen) und ein interessantes Museum, das Leben und Arbeit der beiden zeigt. Glühbirne kennt man ja und kann sie im besten Fall sogar Edison zuordnen, aber was sonst noch? Batteriebetriebene Autos (in den 1920ern!), Stromgeneratoren für den Privatgebrauch, Tonaufzeichnungsgeräte und daraus weiterentwickelt die ersten “Diktiergeräte” mit Wachs-Walzen, die bespielt und später wieder “shaved” = geglättet wurden, die ersten Filmkameras, aber auch diverse Patente zur Verarbeitung von Eisenerz oder eine Möbelserie für Kleinkinder… so unterschiedlich waren die Ausstellungsstücke und somit die Themen, mit denen sich Edison beschäftigt hat.

Und vor dem Museum noch ein ganz besonderes “Ausstellungsstück”: Edison hatte von einem Freund einen kleinen Ficus-Setzling bekommen, der inzwischen etwas gewachsen ist – man kann nicht mehr sehen, wo Stamm und wo Ast ist, beziehungsweise in welcher Reihenfolge da was (zusammen-)gewachsen ist. Faszinierend… fast noch schöner im Dunkeln mit Beleuchtung.

Danach sind wir nur noch zum nächsten Hotel (ca. 80 Meilen nördlich, in der Nähe von St. Petersburg) gefahren und haben unterwegs schnell was gegessen. Bis morgen!

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