Airboat & noch mehr Gators

Nachdem wir gestern länger in den Everglades gebraucht haben, als wir ursprünglich geplant hatten, ging es heute weiter mit dem gestrigen Programm: Airboat fahren, weitere Teile der Everglades und dann Big Cypress National Preserve.

Da der Everglades Nationalpark fast die gesamte Spitze Floridas umfasst, fährt man von einem Teil in den anderen ganz schön lange. Gestern waren wir am östlichen Eingang reingefahren und der Straße Richtung Südwesten gefolgt, heute ging es dann am nördlichen Rand des Parks entlang. Dort liegt direkt angrenzend die (der? das?) Big Cypress National Preserve, ein Schutzgebiet mit etwas schwächeren Auflagen als im Nationalpark selbst, die Landschaft ist aber im Prinzip die Gleiche. Also viel Wasser, fast immer grasbedeckt, kleinere Bauminseln auf minimal höher liegenden Inselchen (Hammocks). Eigentlich ist nämlich das gesamte Gebiet der Everglades ein bis zu 60km breiter Fluss mit sehr geringer Tiefe und Fließgeschwindigkeit (siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Everglades).

Auf der Straße von der Ost- zur Westküste liegen zahlreiche Anbieter von Airboat-Touren. Das sind die mit den großen Propellern hinten, die auch im extrem niedrigen Wasser fahren können. So eine Tour haben wir also gemacht – zum Glück mit einer sehr kleinen Gruppe, so dass man alles gut sehen konnte.

Und zu sehen gab es einiges: die verschiedenen Pflanzen (mal dominieren diverse Gräser im Wasser, dann wieder Mangroven oder richtige Bäume, die auf den Hammocks wachsen), zahlreiche reiherähnliche Vögel und natürlich Gators. Diesmal ganz aus der Nähe, vielleicht einen halben Meter neben dem Boot. Die Viecher sind neugierig und schauen sich das Boot ohne Scheu an. Angreifen würden sie aber wohl nicht, weil das Boot für sie wie ein riesiger Gegner aussieht und nicht wie Blechschale mit Menschen = Futter – und sie greifen nichts an, was größer ist als sie. Interessante Info unseres Tourguides: Auch wenn man oft nur die Nase und die Augen eines Gators sieht, kann man die Größe ganz gut abschätzen. Die Länge von Nasenspitze bis zu den Augen in Inches entspricht ungefähr der Gesamtlänge in Fuß. Nun muss man das noch in Zentimeter und Meter umrechnen, aber es gibt schon mal eine ungefähre Idee.

Die Tour hat ungefähr 45min gedauert, anschließend gab es am Anleger noch eine Runde Reptilienkunde. Ein anderer Guide hat uns diverse Schildkrötenarten gezeigt und erklärt, die hier leben, außerdem Schlangen und einen Baby-Gator von ungefähr einem Jahr – niedlich, ungefähr Armlang von Nase bis Schwanzspitze. Außerdem konnten wir uns mit einem etwas älteren Gator (3 Jahre) fotografieren lassen.

Weiter ging’s auf der Straße nach Westen, die übrigens ewig nur geradeaus geht. Meilenweit, wie man sich das in Amerika so vorstellt, aber z.B. im Westen eher seltener hat. Unser nächstes Ziel war die Loop Road der/des Big Cypress National Preserve. Die führt durch das Schutzgebiet, nicht touristisch erschlossen, aber links und rechts sieht man theoretisch immer mal Gators. Wir hatten relativ wenig Glück, aber haben doch an einer Stelle drei Mini-Gators gesehen, ungefähr 1 Jahr alt würden wir vermuten. Durch Überschwemmung ist ein Teil der Straße zerstört, daher mussten wir am Ende umdrehen und zurückfahren.

Nächster Programmpunkt war das Picknick am Kirby Storter Roadside Park (ebenfalls Big Cypress) als spätes Mittagessen und dann ein weiterer Trail auf einem 1,6km langen Holzsteg mitten durch den Sumpf. Der sieht hier so aus, wie man sich das in einem grusligen Film vorstellen würde, mit dunklem Wasser, abgebrochenen Bäumen, modrigem Geruch, von den Ästen herabhängenden Pflanzen… sehr faszinierend. Leider gab es nicht sonderlich viele Tiere zu sehen, aber immerhin haben wir eine relativ große Schlange (schlafend) gesehen, ein Deer (Reh), eine große Schildkröte (vermutlich eine Schnappschildkröte) und einen ca. 1m langen Alligator. Bekommt trotzdem ein „gefällt uns“, die ganze Atmosphäre war einfach einmalig.

Und weiter auf dem Tamiami Trail, so heißt die Ost-West-Verbindung. Und hier kamen dann endlich die ganzen Gators. Während in den Parks und Preserves irgendwie nicht viel los war, lagen sie hier dann fast aufeinander, die Alligatoren. Kleine, große, dicke, dünne, mal im Wasser, viele aber an Land, einige interessanterweise mit dem Kopf im Wasser und dem Rest an Land. Wir haben erst ein paar Mal auf dem Seitenstreifen angehalten und fotografiert, dann sind wir einmal in eine Campingplatzzufahrt gefahren und ausgestiegen, um besser zu sehen.

Da wir nun 1,5 Tage lang Sumpf-Landschaften gesehen haben, haben wir auf den letzten (westlichsten) Teil der Everglades verzichtet und sind weiter geradeaus gefahren nach Marco Island. Das war in einem Florida-Forum bei den Geheimtipps erwähnt worden und stand außerdem in unserem Reiseführer – warum wissen wir nicht so genau. Angeblich sind dort tolle Strände, das mag auch sein, nur kommt man nicht hin. Alles zugebaut mit Hotels oder Appartementhäusern oder „private Commnunities“, ohne Zugang zum Strand. Nach langem Suchen (und wir sind die gesamte Insel abgefahren) haben wir zwei Stellen gefunden, die öffentlich waren, aber dort hätte man 8$ für’s Parken zahlen müssen, und das war uns zuviel, da der Strand bei Sonnenuntergang geschlossen wird und es schon 5 Uhr war. Also war das ein Abstecher, der völlig umsonst war… schade.

Eine weitere Stunde waren wir noch unterwegs zu unserem Hotel in Fort Myers Beach, dann war unser Tagespensum geschafft. Aufgrund akuter Unlust haben wir uns dann nicht mehr weiter wegbewegt, sondern direkt neben dem Hotel einen Burger gegessen. Ohne dass wir das beim Buchen wussten, haben wir ein Days Inn mit eigener Heißwasser-Quelle erwischt, also sind wir nach dem Essen noch eine Runde in den Pool gegangen (erst den mit dem etwas schwefeligen Wasser, dann in den normalen Pool, der dann auch eine Tiefe hatte, bei der man ohne Knieverletzungen schwimmen konnte). Und nun gucken wir Harry Potter und ich tippsel hier vor mich hin… Fortsetzung folgt.

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